Landgericht Aachen verurteilt Stalker zu Haftstrafe

Das Justizzentrum in Aachen mit dem Landgericht.

Landgericht Aachen verurteilt Stalker zu Haftstrafe

Von Helga Lennartz

Der Mann aus Alsdorf hatte seine Ex-Freundin mit Chat-Nachrichten terrorisiert und dabei gedroht, ihre Familie zu töten. Sechs Jahre Haft wegen versuchten Mordes lautet nun das Urteil vor dem Aachener Schwurgericht.

Der Terror begann, als die Frau sich im vergangenen Frühjahr von dem Mann trennte. Fortan wurde die 29-Jährige mit unzähligen Anrufen und Chat-Nachrichten bombardiert. Darin drohte er unter anderem, er werde ihrem neuen Freund und ihrer Familie etwas antun, sollte sie nicht zu ihm zurückkehren.

Gericht: Bremsschlauch durchschnitten

Die Ex-Freundin ließ sich nicht beeindrucken. In einem aufgezeichneten und im Prozess öffentlich vorgespielten Telefonat mit dem Angeklagten stellte die 29-Jährige unmissverständlich klar, dass sie sich von ihrem neuen Freund nicht trennen werde. Daraufhin kündigte der Angeklagte an: "Deine Eltern sterben in den nächsten Tagen. Fahren Deine Eltern mit dem Auto, dann ist es zu spät."

Kurze Zeit später war am Wagen der Eltern der Bremsschlauch durchgetrennt. Zu einem Unfall kam es nicht, die Manipulation am Pkw wurde rechtzeitig entdeckt. Das Gericht kam in seinem Urteil zu dem Schluss, dass der Angeklagte am Auto der Eltern die Bremsleitung angeschnitten hatte.

Zunächst hatte in dem Prozess die Staatsanwaltschaft im durchtrennten Bremsschlauch einen klaren Hinweis auf einen heimtückischen Mordversuch des Angeklagten gesehen. Die Verteidigung argumentierte dagegen, auch ein Marder hätte den Bremsschlauch beschädigt haben können.

In ihren Plädoyers - nach der Beweisaufnahme - gingen sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung nicht von einem Mordversuch aus. Die Richter blieben in ihrem Urteil aber dabei.

Soll auch andere Freundin gestalkt haben

Der verurteilte 30-Jährige soll bereits vorher einmal eine Freundin massiv gestalkt haben, die Frau erwirkte daraufhin ein Annäherungsverbot. Für die psychiatrische Gutachterin in dem Prozess war der Angeklagte voll schuldfähig. Er habe zwar narzisstische Züge, sei instabil und habe ein Dominanzgebaren, sei aber nicht krank. Auch sein Drogenkonsum habe bei den vorgeworfenen Taten keine Rolle gespielt.

Aus der Untersuchungshaft heraus hatte er Briefe an die Kinder seiner Ex-Freundin geschrieben. Er werde sie später zu sich holen, denn sie gehörten zu ihm - er ist nicht der leibliche Vater der Kinder.

Stand: 29.11.2021, 14:45

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