Wende im Bonner Prozess um Mord an 17-Jähriger

Angeklagter mit verdecktem Gesicht wird von Polizei ins Gericht geführt. Auf der Mappe steht "ist das Strafrecht oder kann das weg".

Wende im Bonner Prozess um Mord an 17-Jähriger

Von Jochen Hilgers

  • DNA-Tests konnten Alter des Angeklagten belegen
  • Weichenstellung für weiteres Verfahren
  • Öffentlichkeit für weitere Verhandlung ausgeschlossen

Im Prozess um den Mord einer 17-Jährigen hat es am Dienstag (04.06.2019) eine Wendung gegeben. Der Angeklagte ist 17 und nicht 19 Jahre alt. Dies wird erheblichen Einfluss auf den Fortlauf des Prozesses und das Urteil haben. Dem jungen Mann wird vorgeworfen, in einer städtischen Unterkunft in Sankt Augustin Anfang Dezember vergangenen Jahres (2018) eine 17-jährige Schülerin vergewaltigt und dann erstickt haben soll. Der Richter hat jetzt die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

DNA-Tests als Beweis

Der Angeklagte war als kleines Kind eingereist, offiziell in Begleitung der Mutter und der Schwester. In Wirklichkeit ist die angebliche Schwester aber die Mutter des Angeklagten. Die war bei der Geburt gerade einmal 13 Jahre alt. Die angebliche Mutter ist in Wirklichkeit seine Großmutter. "Das habe ein DNA-Test laut Gericht einwandfrei ergeben", sagt der Gerichtssprecher Tobias Gülich.

Die Lüge sollte vermutlich dazu dienen, für den Angeklagten überhaupt eine Einreise zu ermöglichen. Sein Alter wurde vermutlich falsch angegeben, um die Familiengeschichte glaubhafter zu machen. Später bekam der Angeklagte zudem noch einen deutschen Pass. Den Behörden fiel der markante Altersunterschied bei dem Angeklagten nicht auf. Unklar blieb heute, ob bei der Einbürgerung die Familienangaben überhaupt überprüft wurden.

Lediglich einmal wurde aktenkundig, dass die Altersangabe des Deutsch-Kenianers nicht stimmen könnte. Einer Schulpsychologin stufte den damals angeblich Achtjährigen als nicht altersgerecht entwickelt ein

Alter wird Strafmaß erheblich bestimmen

Das Landgericht Bonn: Ein großes weißes Gebäude von vorne.

Der Prozess wird vor dem Bonner Landgericht verhandelt.

Bis zum Urteil wird nun nichts über den Prozess an die Öffentlichkeit dringen. Die Höchststrafe, die der Angeklagte zu erwarten hätte, liegt nun bei zehn Jahren. Als 19-Jähriger hätte er mit einer Strafe von bis zu 15 Jahren gerechnet.

Opfer verpasste damals Zug

Die Tat geschah Anfang Dezember vergangenen Jahres. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatten sich Täter und Opfer abends in Bonn kennengelernt. Die Schülerin aus Unkel war dem Deutsch-Kenianer in dessen Unterkunft gefolgt, weil sie vermutlich den letzten Zug nach Hause verpasst hatte.

Gravierende Wende im Mordprozess um Tote 17-Jährige

02:24 Min. Verfügbar bis 04.06.2020

Stand: 04.06.2019, 15:22