Lebenslange Haft für Mord in Neusser Blumenladen

Lebenslange Haft für Mord in Neusser Blumenladen Aktuelle Stunde 04.12.2019 UT Verfügbar bis 11.12.2019 WDR Von Werner Czaschke

Lebenslange Haft für Mord in Neusser Blumenladen

  • Mordprozess gegen Ex-Freund
  • Opfer versuchte sich in Blumenladen zu retten
  • Lebenslange Haft für Täter

Der 32-jährige Mann, der eine junge Versmolderin in einem Blumenladen in Neuss erschossen hatte, ist am Mittwoch (04.12.2019) zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Das Landgericht Düsseldorf stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest und ging damit über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus.

Das bedeutet lebenslange Haft in Deutschland

Lebenslange Haft ist die höchste Strafe in Deutschland. Sie wird am häufigsten bei Mord verhängt. Das Bundesverfassungsgericht hat aber geurteilt, dass jeder die Möglichkeit haben muss, vor seinem Tod freizukommen. Ein absolutes "lebenslänglich" gibt es also nicht. Frühestens nach 15 Jahren kann die lebenslange Haft zur Bewährung ausgesetzt werden. Wird der Antrag eines Verurteilten auf Aussetzung der Reststrafe abgelehnt, kann er alle zwei Jahre neu gestellt werden.

Würde ein Verurteilter aufgrund mehrerer Vergehen mehrere lebenslange Freiheitsstrafen erhalten, werden diese nur zu einer lebenslangen Haft als Gesamtstrafe zusammmengefasst.

Besondere Schwere der Schuld

Eine besondere Schwere der Schuld kann vorliegen, wenn die Tat besonders verwerflich war, der Täter sehr brutal und grausam vorgegangen ist oder dem Opfer große Qualen zufügt hat. Die Motive können von besonderer Verwerflichkeit sein oder der Täterpersönlichkeit abartige sexuelle, auch gewalttätige Neigungen zugeschrieben werden. Liegt eine besondere Schwere der Schuld vor, wird die Haft nach 15 Jahren keinesfalls beendet.

Wurde vom Gericht eine "besondere Schwere der Schuld" festgestellt, legt die Strafvollstreckungskammer nach 15 Jahren fest, wie viel Strafe noch verbüßt werden muss, bis der Verurteilte auf Bewährung entlassen werden kann. Dabei spielt das Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit die entscheidende Rolle. Eine feste Obergrenze gibt es nicht. Meistens werden aber nicht mehr als zehn zusätzliche Jahre verhängt.

Täter ließ sich von Güterzug überrollen

Der Mann hatte seiner Ex-Freundin im April mit einem geladenen Revolver in Neuss aufgelauert und sie in einem Blumenladen mit mehreren Schüssen schwer verletzt. Die 27-Jährige starb kurz darauf.

Nach der Tat hatte sich der Schütze von einem Güterzug überrollen lassen. Er überlebte schwer verletzt. Die junge Frau aus Versmold hatte sich Monate zuvor von ihm getrennt und gegen ihn ein gerichtliches Kontaktverbot erwirkt.

Täter beteuerte Unschuld

"Die Verantwortung für den Ausgang des Verfahrens und die Tat tragen sie selbst", sagte der Vorsitzende Richter in Richtung des Verurteilten. Der 32-jährige Täter hatte bis zum Schluss seine Unschuld beteuert. Viele Menschen im Gerichtssaal weinten nach der Urteilsverkündung vor Erleichterung.

"Wir haben hier keine Verzweiflungs-, sondern eine gezielte Rachetat", hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer betont. Der Angeklagte habe der Mutter des Opfers, die er für das Ende der Beziehung zu der jungen Frau verantwortlich gemacht habe, die einzige Tochter nehmen wollen.

Ein Gutachter hatte den 32-Jährigen am Dienstag (03.12.2019) für voll schuldfähig erklärt. Der Mann habe keine schwerwiegende Persönlichkeitsstörung.

Polizeieinsatz in Neuss

00:36 Min. Verfügbar bis 26.04.2020

Stand: 04.12.2019, 14:07