Mutmaßlicher Sexualmörder aus Baesweiler vor Gericht

Der Angeklagte sitzt auf der Anklagebank und verdeckt sein Gesicht

Mutmaßlicher Sexualmörder aus Baesweiler vor Gericht

Von Helga Lennartz-Schwarzkopf

Der 22-Jährige soll eine junge Bekannte in ihrer Wohnung in Baesweiler-Setterich erdrosselt haben, um sich sexuell zu befriedigen. Am Mittwoch beginnt der Prozess in Aachen.

Ruhig, scheinbar emotionslos trat der 22-Jährige zum Prozessauftakt auf. Er ist wegen Diebstahls und diversen Betrügereien vorbestraft, nun wird ihm ein Sexualmord vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft, möglicherweise mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Opfer war wehrlos

Am 4. Mai soll der Mann eine 20 Jahre alte Bekannten während des Geschlechtsverkehrs massiv gedrosselt haben, um sich sexuell zu befriedigen. Er habe dabei den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklage. Die Frau sei wehrlos gewesen, ihre Hände seien am Rücken mit Panzertag fixiert gewesen. Für den Staatsanwalt eine heimtückische Tat.

Angeklagter wollte Spuren beseitigen

Zum Prozessauftakt hatte der Mann die Fesselung und das Drosseln zugegeben. Das sei im gegenseitigen Einverständnis geschehen. „Wir wollten es einfach ausprobieren“, sagte der 22-Jährige. Erregt habe ihn das alles aber nicht. Die Frau habe plötzlich keine Luft mehr bekommen. Er habe daraufhin erfolglos versucht, das Seil von ihrem Hals zu lösen. Der Knoten sei aber zu fest gewesen.

Die Frau erstickte. Um alle Spuren zu beseitigen, legte er die Leiche in eine mit Wasser gefüllte Badewanne und chattete in Ruhe mit einer Freundin. Das erscheine jetzt sicher „eiskalt“, meinte er vor Gericht. Das sei absolut richtig, antwortete ihm der Richter spontan. Nach dem Tod der Frau stahl der Angeklagte noch das Notebook, das Smartphone und die Smartuhr der 20-Jährigen sowie ihren PKW.

22-Jähriger soll alle getäuscht haben

Fünf Tage später wurde der Angeklagte festgenommen. Zuletzt lebte er in Waldfeucht, aber meist hatte er keinen festen Wohnsitz und hauste in einem Auto. Es stellte sich heraus, dass der Mann ein Doppelleben führte. Er hatte zahlreiche Freundinnen, zum Teil auch parallel. Niemand wusste was über die reale Lebenssituation des Angeklagten, berichtete am Donnerstag ein Zeuge. Alles, was der 22-Jährige erzählt habe, sei gelogen gewesen. So gab sich der Angeklagte unter anderem als Polizist aus – das schien viele Mädchen zu beeindrucken. Eine von ihnen plante nach der Tat sogar die Flucht mit ihm ins Ausland. Der Mann habe ein dominantes, stark sexualisiertes Auftreten gehabt, sagten andere Frauen in ihren polizeilichen Vernehmungen.

Mit einem Urteil ist am 10. November zu rechnen.

Stand: 27.10.2021, 16:04

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