OVG prüft Bau von Kohlekraftwerk in Niederaußem

Altes Braunkohlekraftwerk Bergheim-Niederaussem

OVG prüft Bau von Kohlekraftwerk in Niederaußem

Von Stephan Pesch

  • Anwohner klagen gegen neues Kraftwerk bei Bergheim
  • Verstoß gegen Landesentwicklungsplan und Klimaschutzgesetz
  • OVG Münster will heute (15.11.2018) entscheiden

Wenn Hans-Joachim Gille aus Bergheim-Rheidt bei Köln in den Himmel schaut, dann blickt er meist auf dunkle Wolken, die die Sonne verhüllen. Nicht weit von Gilles Einfamilienhaus entfernt ist das Kraftwerk Niederaußem, dessen Kühltürme den pensionierten Ingenieur schon seit Jahren auf die Palme bringen.

Kläger gegen Kraftwerk Bergheim-Niederaußem

"Dass hier in der Region die Preise für Häuser generell gefallen sind, das kann man keinen verdenken, der hier in unsere Region kommt, denn egal aus welcher Richtung, man sieht die Kühlturmschwaden und den enthaltenen Dreck aus den Kraftwerken", schimpft der 76-jährige.

Klage gegen Bebauungsplan

Quasi vor seiner Haustür plant RWE ein weiteres Kraftwerk. Die so genannte BoaPlus Anlage soll die modernste Deutschlands werden. Sie soll alte Kraftwerke ersetzen. Mit kleineren Kühlturm, weniger Abgasen und mehr Leistung. Für den Neubau vorgesehen ist eine rund 30 Hektar große Fläche vor dem Braunkohlekraftwerk Niederaußem. Der Bebauungsplan wurde von der Stadt Bergheim Ende 2014 genehmigt.

RWE: Neues Kraftwerk nicht rentabel

Zwar sagt RWE mittlerweile, der Bau neuer Braunkohlekraftwerke sei nicht mehr rentabel. Dennoch sorgt sich Hans-Joachim Gille vor einem Neubau: Zusammen mit einem Nachbarn hat er die Stadt Bergheim vor dem Oberverwaltungsgericht Münster verklagt und ein sogenanntes "Normenkontrollverfahren" angestrengt. Der Bergheimer Bebauungsplan verstoße gegen das Klimaschutzgesetz des Landes und gegen Vorgaben des Landesentwicklungsplans.

Stilllegung von Kraftwerksblöcken: Goldener Handschlag für RWE

WDR 2 01.10.2018 04:26 Min. Verfügbar bis 01.10.2019 WDR 2

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Arbeitsplätze oder Klimaschutz ?

Für alle Beteiligten steht viel auf dem Spiel. Hans-Joachim Gille fürchtet um seine Gesundheit und um den Wert seines Eigenheims, sollte RWE doch noch ein neues Braunkohlekraftwerk bauen. Bergheim will den größten Arbeitgeber in der Stadt halten. RWE Power hat auf vielen Bürgerforen angekündigt, 1,5 Milliarden Euro in den Standort Niederaußem investieren zu wollen. Doch erst wenn alle Genehmigungen rechtssicher vorliegen und die Wirtschaftlichkeit gegeben ist, will das Unternehmen eine Entscheidung treffen. Laut Oberverwaltungsgericht Münster ist noch heute (15.11.2018) ein Urteil zu erwarten.

Stand: 15.11.2018, 07:28