Kleve: Prozessauftakt wegen Gruppenvergewaltigung

Das Bild zeigt symbolisch K.O.-Tropfen.

Kleve: Prozessauftakt wegen Gruppenvergewaltigung

  • Vorwurf: Erst K.-o.-Tropfen, dann Vergewaltigung
  • Männer sollen Taten gefilmt haben
  • Weißer Ring: Gedächtnisverlust typisch

Für die Frauen muss es die Hölle gewesen sein, sollte sich die am Freitag (15.11.2019) verlesene Anklage bestätigen. Fünf Männer sollen zwei junge Frauen durch K.-o.-Tropfen wehrlos gemacht und sie gemeinsam vergewaltigt haben - in einem Fall bis zu fünf Stunden lang.

Prozess aus Platzgründen an drei Orten

Wegen dieses und eines anderen Falls stehen die mutmaßlichen Vergewaltiger jetzt vor Gericht. Aufgrund der vielen Nebenkläger, Angeklagten und Verteidiger findet der Prozess des Landgerichts Kleve aus Platzgründen auch im Amtsgericht Neuss und im Landgericht Duisburg statt. Prozessbeginn war am Freitag in Neuss.

Angeklagte zwischen 24 und 29 Jahren alt

Die Angeklagten sind zwischen 24 und 29 Jahre alt und wohnen in Moers, Krefeld, Wesel und Dinslaken. Sie stehen im Verdacht, die Frauen vor der Vergewaltigung mit K.-o.-Tropfen wehrlos gemacht und ihre Taten gefilmt zu haben.

In der Disko kennengelernt

Bei der ersten mutmaßlichen Vergewaltigung sollen laut Anklage drei Beschuldigte im Februar den Kontakt zu mehreren Frauen aufgenommen haben, die sie in einer Düsseldorfer Diskothek kennengelernt hatten und sie in die Wohnung eines Angeklagten nach Krefeld mitgenommen haben.

Beim zweiten Fall soll sich einer der Männer im März mit einer Frau verabredet haben. Laut Anklage erschien er dann mit einem anderen Beschuldigten. In seiner Wohnung in Krefeld soll auch dieser Frau eine betäubende Substanz verabreicht worden sein, bevor die Männer sie für mehrere Stunden vergewaltigt haben sollen.

KO-Tropfen - die unsichtbare Gefahr im Karneval?

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 01.03.2019 05:16 Min. Verfügbar bis 29.02.2024 WDR 5 Von Antje Sieb

Widerspruch von der Anklagebank

Im Fall der mutmaßlichen mehrstündigen Vergewaltigung sei alles ganz anders gewesen, so einer der Angeklagten: "Ich habe nicht erkannt, dass etwas gegen ihren Willen passiert ist, sonst hätte ich eingegriffen."

Keine Statistik zu K.o.-Tropfen

Laut Weißem Ring gibt es keine verlässliche Statistik darüber, wie viele Menschen jährlich Opfer von K.-o.-Tropfen werden. Denn die meisten Betroffenen bemerkten dies zu spät oder gar nicht. Außerdem schmeckt man K.-o.-Tropfen nicht, wenn sie in Lebensmittel gemischt werden.

Stand: 15.11.2019, 17:23