Prozess in Aachen um Kindstötung wird fortgesetzt

Außenansicht des Aachener Justizzentrums

Prozess in Aachen um Kindstötung wird fortgesetzt

  • Säugling totgeschlagen?
  • Vater wird psychiatrisch untersucht
  • Weitere Prozesstage bis Mitte Oktober
  • Verteidigung fordert neues Gutachten der Rechtsmedizin

Vor dem Aachener Landgericht sollte am Dienstag (10.09.2019) der Prozess um den Tod eines Säuglings zu Ende gehen. Doch statt des geplanten Urteils wird nun weiterverhandelt. Auf Antrag der Verteidigung soll der angeklagte Vater psychiatrisch untersucht werden.

Fall sorgte bundesweit für Bestürzung

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen und Bestürzung gesorgt. Ein Vater soll im März seinen sechs Monate alten Sohn in Alsdorf so massiv geschlagen oder gegen einen Gegenstand geschleudert haben, dass der kleine Ben einen Schädelbruch erlitt. Als der Vater später den Notarzt rief, war das Kind tot.

Zwölf Jahre Haft gefordert

Die Staatsanwaltschaft geht von Totschlag aus und hat vor Gericht bereits zwölf Jahre Gefängnis für den angeklagten Vater gefordert. Nur er habe dem Säugling die schwere Kopfverletzung zufügen können, denn er sei damals mit dem Jungen allein in der Wohnung gewesen.

Liebevoller Vater gewesen

Ein schwerer Tatvorwurf, der laut Verteidiger gar nicht zu seinem Mandanten passe. Viele Zeugen im Prozess beschrieben den Angeklagten als fürsorglichen, liebevollen Vater, der nie aggressiv geworden sei. Auch die Beziehung zur Mutter seines Sohnes sei harmonisch gewesen. Sie und der Angeklagte machten auf andere einen verliebten Eindruck, der kleine Ben war ein „Wunschkind“. Alkohol- oder Drogenprobleme gab es nicht, scheinbar auch keine finanziellen Sorgen.

Angeklagter psychisch krank?

Nun soll ein psychiatrisches Gutachten klären, ob der 37 Jahre alte Vater möglicherweise unter einer bislang nicht erkannten psychischen Störung leidet. Dabei geht es auch um die Frage nach der Schuldfähigkeit des Angeklagten, der die Tat vehement bestreitet. Er habe „den Kleinen“ nie geschlagen.

Neues Gutachten der Rechtsmedizin gefordert

Die Verteidigung stellte am Dienstag (10.09.2019) einen weiteren Antrag, der vom Gericht aber erst noch entschieden werden muss. Der Anwalt fordert darin ein neues rechtsmedizinisches Gutachten. Sein Mandant lehne die im Prozess gehörte Sachverständige wegen der Besorgnis der Befangenheit ab. Die Frau sei nicht auf dem neuesten Stand der Wissenschaft.

Andere Todesursache möglich?

Ein Säugling könne sich einen Schädelbruch durchaus auch nach einem Sturz vom Wickeltisch zuziehen, zitierte der Anwalt einen Medizinprofessor. Demnach könnte es ein Unfall gewesen sein. Der Prozess wird am 26. September 2019 fortgesetzt. Bislang hat das Landgericht weitere Prozesstage bis Mitte Oktober terminiert.

Stand: 10.09.2019, 15:36