Heilpraktiker kann sich Todesfälle nicht erklären

Heilpraktiker kann sich Todesfälle nicht erklären

  • Brüggener Heilpraktiker kann sich Todesfälle offenbar nicht erklären
  • Drei Menschen nach alternativen Krebstherapien gestorben
  • Vorwürfe: Fahrlässige Tötung, Verstöße gegen Arzneimittelgesetz

Der Heilpraktiker aus Brüggen, der mutmaßlich für den Tod von drei Krebspatienten vor rund zweieinhalb Jahren verantwortlich sein soll, bedauere die Tat. Das sagte der 61-Jährige vor dem Krefelder Landgericht am Freitag (29.03.2019) aus.

Allerdings könne er keinen Fehler an seiner Methode zum Mischen der Medikamente sehen, da er auf die gleiche Art Wochen und Monate vorher Patienten behandelt habe und dabei nie etwas schiefgegangen sei.

Heilpraktiker soll ungeeignete Waage benutzt haben

Dem Mann aus Moers werden fahrlässige Tötung in drei Fällen und Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vorgeworfen.

Bei der Mischung von Infusionen für eine angeblich biologische, alternative Krebstherapie soll der Heilpraktiker das hochwirksame Präparat mit einer ungeeigneten Waage abgemessen und so die Infusionen für die Patienten um das drei- bis sechsfache überdosiert haben.

Zwei Patientinnen aus den Niederlanden und Belgien sowie ein Niederländer sollen daraufhin an Hirnversagen gestorben sein. Die Chemikalie 3 BROMO-PYRU-Vat ist zwar als Arzneimittel nicht zugelassen, allerdings auch nicht verboten.

Patienten aus dem Ausland geworben

In diesem Gebäude in Brüggen hat der Heilpraktiker seine Patienten behandelt

In diesem Gebäude in Brüggen hat der Heilpraktiker seine Patienten behandelt

Der Heilpraktiker hatte die Methode auf seiner Webseite gezielt in niederländischer Sprache beworben. Die Patienten bezahlten für eine zehnwöchige Therapie knapp 10.000 Euro. Der anfangs geäußerte Verdacht, der Heilpraktiker aus Brüggen sei auch für den Tod weiterer Krebspatienten aus seiner Praxis verantwortlich, habe sich nicht bestätigt, betont die zuständige Krefelder Staatsanwaltschaft.

70 Fälle untersucht

Die Ermittler hatten die Patientenakten der Praxis ausgewertet und knapp 70 andere Todesfälle untersucht. Für den Prozess sind bis Ende Juni insgesamt 10 Verhandlungstage angesetzt. Rund 20 Zeugen sollen gehört werden, darunter Angehörige der Opfer und mehrere Sachverständige.

Stand: 29.03.2019, 12:25