Geldautomaten-Sprenger in Aachen vor Gericht

Rotes Backsteingebäube mit einer Hofeinfahrt, davor eine Stele mit der Aufschrift Justizzentrum

Geldautomaten-Sprenger in Aachen vor Gericht

Von Helga Lennartz

Sechs Monate nach einer versuchten Geldautomatensprengung in Nettersheim-Marmagen stehen ab Montag die mutmaßlichen Täter vor dem Aachener Landgericht. Die drei Niederländer sollen zur berüchtigten "Audi-Bande" gehören.

Die "Audi-Bande" hält die Justiz seit Jahren mit Geldautomatensprengungen in ganz Deutschland auf Trab. Die Mitglieder stammen meist aus den Niederlanden. Den Namen bekam die Bande verpasst, weil sie mit hochmotorisierten, oft gestohlenen Wagen der Marke Audi zum Tatort fahren – wie auch im Fall, der jetzt in Aachen verhandelt wird.

Versuchte Automatensprengung vor den Augen der Polizei

Die 23, 29 und 33 Jahre alten Angeklagten sollen zu den weniger erfolgreichen Bandenmitgliedern gehört haben. Laut Staatsanwaltschaft hebelte das vermummte Trio in den frühen Morgenstunden des 15. Januar 2021 die Eingangstür zu einer VR-Bank in Nettersheim-Marmagen auf und machte sich im Eingangsbereich an einem Geldautomaten zu schaffen. Gerade als die Männer Gas in das Gerät einleiten wollten, kam zufällig eine Zivilstreife der Polizei vorbei. Ein Angeklagter wurde gleich geschnappt, die beiden mutmaßlichen Mittäter einige Zeit später.

23-Jähriger wegen weiterer Taten angeklagt

Prozess Geldautomaten-Sprenger

Als Pechvogel könnte salopp der jüngste der drei Angeklagten bezeichnet werden. Denn dem 23-Jährigen aus Utrecht werden gleich drei weitere, weitgehend erfolglose Taten vorgeworfen. Am 4. September 2019 soll er mit unbekannten Komplizen versucht haben, einen Geldautomaten in Gelsenkirchen zu sprengen. Der Plan scheiterte bereits im Ansatz, das Tatwerkzeug war offenbar nicht in Ordnung. Die Bande musste unverrichteter Dinge abziehen.

Rund zwei Wochen später soll der 23-Jährige dann mit anderen eine Sparkassenfiliale in Rösrath ins Visier genommen haben. Als die Männer sich am Geldautomaten zu schaffen machten, sprang die Vernebelungsanlage der Bank an. Die Täter konnten nichts mehr sehen und traten deshalb die Flucht an.

Hoher Sachschaden, geringe Beute

Von den Misserfolgen ließ sich der 23-Jährige offenbar nicht entmutigen. Bereits am nächsten Tag sollen er und seine unbekannten Komplizen einen weiteren Versuch in Kaiserslautern gestartet haben. Laut Anklage brachen sie in einen großen Supermarkt ein und diesmal konnten sie den dort aufgestellten Geldautomaten sprengen. Die Detonation war gewaltig, sie richtete einen Sachschaden von 185.000 Euro an. Die Beute der Bande fiel dagegen mit 7300 Euro eher mager aus.

Nun droht vor allem dem 23 Jahre alten Hauptangeklagten eine hohe Gefängnisstrafe, sollten sich alle Vorwürfe im Prozess bestätigen.

Mit den Urteilen des Aachener Landgerichts ist für Mitte November zu rechnen.

Stand: 11.07.2021, 16:59

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