Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Hauptbeschuldigter vor Gericht

Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Hauptbeschuldigter vor Gericht

Von Jochen Hilgers

Am Kölner Landgericht ist der Prozess gegen einen Mann gestartet, der seine kleine Tochter immer wieder sexuell missbraucht haben soll. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat der Angeklagte ab dem Mittag ausgesagt.

Die Fälle von sexualisierter Gewalt an Kindern, die in Bergisch Gladbach ihren Ausgang nahmen führten zu einem Netzwerk in vielen Teilen Deutschlands. Entsprechend groß war das Medieninteresse vor dem Kölner Landgericht.

Verlesung der Anklageschrift dauerte eineinhalb Stunden

Hauptbeschuldigter auf der Anklagebank

Hauptbeschuldigter auf der Anklagebank

Die Kölner Staatsanwaltschaft wirft dem Hauptverdächtigen, einem mittlerweile 43-jährigen Bergisch Gladbacher, unter anderem schweren sexuellen Missbrauch seiner Tochter vor. Bei ersten Taten soll das Mädchen gerade wenige Monate alt gewesen sein. Weitere schwere Straftaten folgten laut Anklage, die insgesamt 79 Fälle auflistet.

Kühler Auftritt des Angeklagten

Der 43-jährige Beschuldigte folgte den Ausführungen der Anklage zum Prozessauftakt zwar aufmerksam, aber weitgehend äußerlich unberührt. Immer wieder suchte er mit geradem Blick die Plätze der Reporter ab.

Im Saal herrschte mitunter stummes Entsetzen immer dann, wenn von den verzweifelten Abwehrversuchen des Opfers die Rede war. Laut wimmernd habe sie nach ihrer Mama gerufen und vergeblich versucht den Vater abzuwehren.

Das Alles geschah über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren mit einem anfangs erst drei Monate alten Opfer. Und offenbar ohne das Wissen der Mutter. So sagt es jedenfalls Anwältin Monika Müller-Laschet, die im Prozess als Nebenklägerin die Opferinteressen vertritt. Bei der Verlesung der Anklageschrift war die Mutter des Opfers nicht anwesend. 

Massenhaft kinderpornographisches Material sichergestellt

In der Anklageschrift wird beschrieben, wie der Angeklagte seine Handlungen gefilmt und Aufnahmen immer wieder mit Chatpartnern ausgetauscht haben soll. Mit einem Chatpartner soll er sich mehrmals getroffen haben.

Die beiden Männer sollen dabei ihre Kinder gegenseitig zu Handlungen sexualisierter Gewalt getauscht haben. Einmal traf man sich in einem Essener Wellnessbad.

Als Ermittler im vergangenen Herbst auf die Spur des jetzt Angeklagten kamen, beschlagnahmten sie mehrere Terrabyte an Computerdateien. In manchen Chats waren bis zu 1.800 Interessenten im Netz unterwegs. Aufnahmen seiner mutmaßlichen Taten soll auch der 43-Jährige in Chats mit anderen Männern geteilt haben.

Landgericht um Transparenz bemüht

Bis zum Ausschluss der Öffentlichkeit war auch heute das Medieninteresse riesengroß. Bereits Stunden vor Prozessbeginn stellten die Kamerateams im Kölner Landgericht ihre Stative auf. Im Saal herrschte Gedränge, als der 43-jährige von Justizwachtmeistern begleitet, zu seinem Platz auf der Anklagebank geführt wurde. Er hatte sich eine Akte vor das Gesicht gehalten.

Trotz Corona-Beschränkungen hatte das Kölner Landgericht 30 Presseplätze im Saal eingerichtet. In einen benachbarten Saal wird der Ton aus dem Gerichtssaal für weitere Journalisten übertragen.

Das Kölner Landgericht legt großen Wert darauf, dass das Verfahren für die Öffentlichkeit transparent geführt wird. Auch, wenn bei den Aussagen des Angeklagten die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Da steht der Opferschutz vor dem öffentlichen Interesse.

Verzögerungen im Prozess

Der ursprüngliche Prozessauftakt vor einer Woche war wegen eines Feueralarms im Justizzentrum verschoben worden.

Geplant sind elf Prozesstage. Das Urteil soll im September gesprochen werden.

Härtere Strafen bei sexuellem Missbrauch – Reicht das? Presseclub 05.07.2020 56:52 Min. UT Verfügbar bis 05.07.2021 Das Erste

Stand: 17.08.2020, 18:05