Aachen: Anklage wegen fahrlässiger Tötung von fünf Menschen

Aachen: Anklage wegen fahrlässiger Tötung von fünf Menschen

Von Helga Lennartz-Schwarzkopp

  • 22-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung angeklagt
  • Mit hohem Tempo Radarfalle umfahren?
  • Fünf Menschen sterben in brennendem Auto

Zahlreiche Pressevertreter waren zum Prozessauftakt erschienen, auch aus dem Ausland. Der Fall hatte im Dezember 2018, zwei Tage vor Heiligabend, große Bestürzung ausgelöst. Mit weit überhöhter Geschwindigkeit soll der angeklagte Kfz-Mechatroniker mit einem BMW über die Landstraße bei Stolberg gerast sein – erlaubt ist dort Tempo 70.

Wagen einer Familie ging in Flammen auf

Die Ermittler gehen davon aus, dass er im Bogen eine Radarfalle umfahren wollte. Dabei stieß er mit einem entgegenkommenden Wagen zusammen. Der geriet in Brand, die Insassen - eine Mutter, ihr 17 Jahre alter Sohn und die 16 Jahre alte Tochter - starben.

Auch zwei junge Menschen in dem BMW kamen ums Leben. Der Angeklagte und seine Freundin überlebten schwer verletzt. Der Verteidiger sagte zum Prozessauftakt, sein Mandant könne sich an den Unfall nicht mehr genau erinnern, er habe Gedächtnislücken. Er sei erheblich psychisch belastet und befinde sich in Therapie.

Fuhr der Angeklagte imaginäres Rennen?

Rettungswagen an einer Unfallstelle

Angeklagt ist der mutmaßliche Unfallverursacher wegen fahrlässiger Tötung, schweren Eingriffs in den Straßenverkehr, aber auch wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens, das heißt in diesem Fall: Er soll mit derart hoher Geschwindigkeit gerast sein, als ob er sich mit einem anderen Fahrer ein Duell liefern würde.

Verteidigung zweifelt an Unfallgutachten

Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das hatte das Jugendschöffengericht am Freitag kurzfristig entschieden. Der Angeklagte war zur Tatzeit 20 Jahre alt. Er gilt damit juristisch noch als Heranwachsender. So wird die Öffentlichkeit wohl nichts über die näheren Umstände des Unfall erfahren.

Eine wichtige Rolle im Prozess wird das Unfallgutachten spielen, das bereits von der Verteidigung angezweifelt wird. Sie will eine zweite Expertenmeinung hören. Das Urteil wird voraussichtlich am 12. Februar gesprochen.

Stand: 24.01.2020, 14:05