Landgericht Köln: Drach-Prozess geht mit Bericht eines Überfalls weiter

Stand: 28.04.2022, 17:02 Uhr

Mit der Befragung eines Opfers ist am Donnerstag der Prozess gegen den ehemaligen Reemtsma-Entführer und mutmaßlichen Räuber Thomas Drach vor dem Kölner Landgericht fortgesetzt worden.

Von Markus Schmitz

Am elften Tag im Prozess gegen Reemtsma-Entführer Thomas Drach hat ein Zeuge von Überfällen berichtet: am Flughafen Köln-Bonn und dem Ikea-Markt in Gondorf. Er hatte den Täter beide Male gesehen. Ob es Thomas Drach war, kann er nicht sagen. 

Am Donnerstag landet gegen acht Uhr ein Hubschrauber auf der Markierung des Parkplatzes am Kölner Justizzentrum. Drei Limousinen fahren vor. Reemtsma-Entführer Thomas Drach wird von einem Beamten der Spezialeinsatzkräfte in den mittleren Wagen geführt.

Die Kolonne fährt von dort in eine Garage des Landgerichts. Das ist seit einigen Verhandlungstagen das übliche, aufwändige Prozedere für diesen Prozess. Eineinhalb Stunden später betritt Drach den Saal 112 im Kölner Landgericht. Heute steht die Befragung eines Zeugen an, der gleich zweimal in seinem Geldtransporter überfallen wurde. 

Drach-Prozess: Zeuge berichtet von zwei Überfällen

Der 62 Jahre alte Zeuge berichtet ruhig von den Geschehnissen in den Jahren 2018 und 2019. Zuerst ging es um den Überfall am Ikea-Markt im März 2018. An einem Morgen fuhr er mit einem Kollegen am Markt vor, der Kollege stieg aus, kam kurze Zeit später mit dem Geldcontainer in der Hand zurück und sprach dabei mit einem Mann. Zunächst habe der Zeuge gedacht, dass der andere Mann ein Ikea-Mitarbeiter sei.

Als sich der Kollege allerdings wegdrehte, sah der Zeuge, der auf dem Fahrersitz des Geldtransporters saß, dass der Mann, der mit seinem Kollegen sprach, eine Waffe in der Hand hielt. "Eine Maschinenpistole habe ich gesehen." Daraufhin alarmierte der Zeuge aus dem Wagen heraus die Polizei. Der Beamte in der Leitstelle sagte, dass der Anrufer ruhig bleiben solle, die Polizei sei unterwegs. 

"Kräftig, mit Weste und Käppi"

In der Vernehmung berichtet der 62-Jährige, dass er nur erkennen konnte, dass die Person, die seinen Kollegen bedrohte und den Geldcontainer mit etwa 76.000 Euro mitnahm, "kräftig" war, eine Weste und ein Käppi trug.

Überfall am Flughafen Köln/Bonn – Schuss auf Kollegen

Im März 2019 wurde der Zeuge wieder überfallen. Diesmal war die Situation dramatischer. Der Zeuge berichtet, dass der Auftrag für das Sicherheitsunternehmen darin bestand, Hartgeld aus Gepäckwagen-Stationen zu entnehmen. Nachdem die Mitarbeiter des Unternehmens mehrere Kisten aus dem blauen Wagen des Unternehmens genommen hatten, fuhr plötzlich ein Auto vor.

Eine Person stieg aus und schoss offenbar unvermittelt auf einen Kollegen des Zeugen. Der Schuss traf ihn ins Bein. Der Schütze und ein weiterer Täter nahmen zwei Kisten mit und fuhren davon. Dieses Geschehen hatte den Zeugen sehr belastet. 

Gespräche mit Psychologin

"Ich brauchte einige Gespräche mit einer Psychologin", sagte der 62-Jährige am Donnerstag im Gericht. Bei einer Polizeibefragung nach dem Überfall am Flughafen sagte der Zeuge, dass die beiden Täter "akzentfreies Deutsch" gesprochen hätten. Weitere Beschreibungen zu den Tätern oder zu Thomas Drach gibt es nicht. 

Über das Thema berichtet die Lokalzeit aus Köln am 28.04.2022 im WDR Fernsehen und auf WDR2.

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