Mutmaßlicher Wehrhahn-Bomber bestreitet die Tat

Mutmaßlicher Wehrhahn-Bomber bestreitet die Tat

  • Bei Anschlag vor 17 Jahren wurden zehn Menschen verletzt
  • Mutmaßlicher Täter wurde erst vor einem Jahr verhaftet
  • Für den Prozess sind fast 40 Verhandlungstage angesetzt

Mehr als 17 Jahre nach dem verheerenden Sprengstoffanschlag an der Düsseldorfer S-Bahnstation "Wehrhahn" hat am Donnerstag (25.01.2018) der Strafprozess gegen den mutmaßlichen Täter Ralf S. begonnen. Zum Auftakt des Verfahrens bestritt der Angeklagte die Tat. Er habe sie nicht begangen und wisse auch nicht, wer es gewesen sei, so der 51-Jährige vor Gericht.

Ungeborenes Baby durch Bombensplitter getötet

Der rechtsradikale Ex-Soldat steht wegen zwölffachen Mordversuchs vor Gericht. Bei dem Anschlag vom 27. Juli 2000 waren zehn meist jüdische Sprachschüler aus Osteuropa zum Teil schwer verletzt worden. Ein ungeborenes Baby wurde im Mutterleib getötet. Dem Mann, der die Tat aus Fremdenhass begangen haben soll, droht lebenslange Haft.

Anschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn

Am 27.07.2000 explodierte am Düsseldorfer S-Bahnhof "Am Wehrhahn" eine Rohrbombe. Zehn Menschen wurden verletzt, eine schwangere Frau verlor ihr ungeborenes Baby.

Haltestellenschild Wehrhahn S-Bahn in Düsseldorf

Um kurz nach 15 Uhr explodierte am Bahnhofszugang ein an einem Zaun deponierte Sprengsatz.

Um kurz nach 15 Uhr explodierte am Bahnhofszugang ein an einem Zaun deponierte Sprengsatz.

Besonders schlimm traf die Explosion ein Ehepaar aus der Ukraine: Die damals 26-jährige Ehefrau verlor ihr ungeborenes Kind und musste notoperiert werden.

Feuerwehrkräfte und Sanitäter kümmerten sich um die insgesamt zehn Verletzten. Die meisten Opfer des Anschlags waren jüdische Einwanderer aus Osteuropa.

Die Polizei ermittelte von Anfang an mit Hochdruck. Sie verfolgten in den ersten Wochen nach dem Anschlag fast 300 Spuren....

... und prüfte mehr als 900 Hinweise aus der Bevölkerung.

Bei den Ermittlungen am Tatort kam unter anderem ein Metalldetektor zum Einsatz.

Der Düsseldorfer Anschlag löste bundesweit Entsetzen aus und fachte die Debatte über rechte Gewalt an.

Zum Gedenken an die Opfer des Anschlags legten Betroffene Kerzen, Blumen und Briefe in die S-Bahn-Station.

Auch diese Frau wollte ein Zeichen gegen Hass setzen.

Schon nach der Tat im Visier der Fahnder

Ralf S. betrieb damals gegenüber der Sprachschule einen Militaria-Laden. Der Anklage zufolge hatte er an dem Julinachmittag eine selbstgebaute Rohrbombe in einer Plastiktüte am Geländer der S-Bahnstation deponiert und per Funk gezündet. Die Ermittler hatten den Mann direkt nach der Tat im Visier, konnten ihm aber viele Jahre nichts nachweisen.

Mitgefangener lieferte den entscheidenden Hinweis

Die Ermittlungen wurden 14 Jahre später wieder aufgenommen, weil Ralf S., der wegen einer nicht bezahlten Geldstrafe in Haft saß, einem Mitgefangenen den Anschlag detailliert geschildert haben soll. Anfang 2017 wurde er schließlich festgenommen und kam in U-Haft. Außerdem widerriefen zwei Zeuginnen, die damals von dem Ex-Soldaten eingeschüchtert worden waren, ihre entlastenden Aussagen.

Wehrhahn-Bombe: Verhaftung nach 17 Jahren

Jahres·rückblick 2017 | 22.12.2017 | 02:19 Min.

Mammutprozess vor Düsseldorfer Landgericht

Demonstration zum Wehrhahn-Anschlag-Prozess

Demonstranten stellen viele Fragen

Für den Wehrhahn-Prozess sind bis Mitte Juli dieses Jahres 37 Verhandlungstage angesetzt. Fünf der damals verletzten Opfer treten als Nebenkläger auf. Der Prozessauftakt wurde vor dem Landgerichtsgebäude von Demonstranten begleitet, die sich in Düsseldorf gegen Antisemitismus engagieren.

Stand: 25.01.2018, 15:42