Anti-Kohle-Proteste: Klimaaktivisten kämpfen für Erhalt von Lützerath

Ein Schild mit der Aufschrift: "Defend Lützerath, Defend 1,5 Grad C" steht vor derm Tagebau Garzweiler

Anti-Kohle-Proteste: Klimaaktivisten kämpfen für Erhalt von Lützerath

Von Thomas Wenkert

Mehrere Tausend Menschen wollen an diesem Wochenende gegen den Braunkohlentagebau Garzweiler II bei Erkelenz demonstrieren. Die Proteste konzentrieren sich vor allem auf den kleinen Ort Lützerath, den RWE bis 2022 abreißen will.

Eigentlich sollte Eckhard Heukamp bis zum 1. November seinen Bauernhof in Lützerath verlassen. Doch der Landwirt wehrt sich gegen seine Enteignung. Entscheiden muss das Oberverwaltungsgericht Münster.

Warten auf Gerichtsentscheid

Landwirt Eckhard Heukamp steht vor seinen Hof in Lützerath

RWE will erst einmal auf eine Zwangsenteignung von Heukamp verzichten, bis zum 7. Januar 2022. Der Konzern hofft, dass das OVG bis dahin in der Sache entschieden hat.

Für Heukamp ist die Sache schon lange klar: "Ich glaube, jedem ist klar, dass das Ding mit der Kohle durch ist", so der Landwirt. Es gehe doch nur noch darum, wann RWE aussteige, und wann sie Schluss machen, nicht mehr ob.

Protestcamp im Geisterdorf 

Heukamp ist der letzte Bewohner von Lützerath. Alle anderen Häuser stehen leer, viele wurden schon abgerissen. Auf den Flächen rund um seinen Hof haben hunderte Umweltaktivisten ihre Zelte aufgeschlagen. Auch Baumhäuser wurden gebaut.

Proteste für Erhalt von Lützerath

00:27 Min. Verfügbar bis 28.10.2022


Sollte RWE mit dem Abriss der Häusern beginnen, dann wolle man Widerstand leisten, sagen die Aktivisten. So wie man den Hambacher Forst im Kreis Düren gerettet habe, werden man auch Lützerath retten.

Aktivisten von Greenpeace hissen ein Banner mit der Aufschrift: "1,5 Grad heißt: Lützerath bleibt!"

Der kleine Erkelenzer Ort ist das neue Symbol des Widerstandes gegen die Braunkohle. Und gleichzeitig zum Start der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow findet rund um Lützerath am Sonntag eine große Demonstration statt.

Sechs Dörfer bedroht 

Sprecher der Initiative vor dem Braunkohletagebau

"Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, dann muss die Kohle unter den Dörfern bleiben", erklärt David Dresen vom Bündnis "Alle Dörfer bleiben".

Neben Lützerath sollen eigentlich noch fünf weitere Erkelenzer Ort dem Tagebau Garzweiler II weichen. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 5.000 Teilnehmern. Auch das Aktionsbündnis "Ende Gelände" hat zu Protesten aufgerufen. In den vergangenen Jahren sind Aktivisten von "Ende Gelände" immer wieder in den Tagebau eingedrungen, Bagger wurden besetzt oder Förderbänder blockiert.

 Polizei will sich zurückhalten

Mit solchen Aktionen rechnet die Aachener Polizei auch dieses Mal. Man werde die Lage beobachtet, sich aber zurückhalten, erklärt Andreas Müller von der Aachener Polizei.

Die Luftaufnahme zeigt Bagger der RWE (Rheinbraun) am 01.08.2014 in der Nähe von Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen) im Braunkohle-Tagebau Garzweiler II.

Denn es gebe einen großen Unterschied zwischen den Aktivisten im Hambacher Forst und jenen in Lützerath.

Die Gewaltbereitschaft rund um den Tagebau Garzweiler II sei deutlich niedriger als im Hambacher Forst vor einigen Jahren. Natürlich werde man aber eingreifen, sollte es am Wochenende zu Straftaten kommen.

 RWE hält an Plänen fest

"Man nehme die Aufrufe zu den Protesten wahr, und man hoffe, dass diese friedlich bleiben", erklärte ein RWE-Pressesprecher auf WDR-Anfrage.

Bagger reißen ein Haus ein

Der Konzern stellt aber auch klar, dass sich am Status Quo in Lützerath nichts geändert habe: "Seit langem genehmigte Arbeiten wie der Rückbau leerstehender Häuser bereits umgesiedelter Einwohner sind erforderlich, um den Tagebau Garzweiler im südlichen Bereich des Abbaufeldes planmäßig weiter zu entwickeln."

Der Energiekonzern verschließt sich aber auch nicht einem früheren Kohleausstieg. Man warte jetzt erst einmal ab, welche Lage sich durch eine neue Bundesregierung ergibt.

Energiepolitik - Schnellerer Abschied von der Kohle? Westpol 10.10.2021 17:52 Min. UT DGS Verfügbar bis 10.10.2022 WDR

Stand: 29.10.2021, 10:50