Kostenexplosion und Verzögerung bei Leverkusener Brücke - Warnung ignoriert?

Teures Bauprojekt - Wird Rheinbrücke ein Millionengrab? Westpol 26.04.2020 UT DGS Verfügbar bis 26.04.2021 WDR

Kostenexplosion und Verzögerung bei Leverkusener Brücke - Warnung ignoriert?

  • Land kündigt Verträge mit Bauunternehmer Porr AG
  • Probleme mit chinesischem Stahl womöglich länger bekannt
  • Neuausschreibung ab kommender Woche

Freitag, 17 Uhr: NRW Verkehrsminister Hendrik Wüst erklärt, dass die Verträge mit dem Baukonzern Porr für die A1 Rheinbrücke zwischen Köln und Leverkusen gekündigt werden. Ein neuer Unternehmer wird die Brücke fertig stellen müssen. Jochen Ott, stellvertretender SPD Fraktionsvorsitzender im NRW-Landtag bezeichnet es als „Super-Gau!“

Eigentlich sollte der Neubau der Leverkusener Rheinbrücke ein Prestigeprojekt werden. NRW- Verkehrsminister Wüst sprach am Freitag selbst von einem Bauwerk von nationaler Bedeutung. Doch weil die Brücke marode ist, war ein Neubau unumgänglich. Ursprünglich sollte der erste Brückenteil schon Ende dieses Jahres fertig sein. Jetzt wird sich die Fertigstellung wohl um Jahre verzögern, zum Ärger von Pendlern und Logistikunternehmen.

Fertigstellung des ersten Brückenteils nicht vor 2023

Was ist der Grund für die Kündigung? Straßen.NRW hatte verlangt, dass Stahlteile komplett neu hergestellt werden, die defekt sind. Die Porr AG ließ sie in China fertigen. Laut NRW-Verkehrsminister entsprechen sie weder den vertraglich vereinbarten Qualitätsanforderungen noch den deutschen Normen.

Porr bestand aber darauf, die Stahlteile zu reparieren. Weil keine Einigung erzielt werden konnte, hat das Land den Vertrag mit dem Baukonzern jetzt gekündigt. Der Baukonzern kündigte nun juristische Schritte an. Es droht ein langer Rechtsstreit.

Probleme mit chinesischem Stahl länger bekannt

Bauingenieur Helmut Hesse wirft dem Land vor, Fehler bei der Ausschreibung gemacht zu haben. Problem mit Stahl aus China gäbe es erfahrungsgemäß immer wieder. Man dürfe nicht auf das billigste Angebot bauen. Das Billigste könnte nun teuer werden.

Außerdem deutet sich an, dass das NRW-Verkehrsministerium schon länger über die Probleme mit der Produktion des Stahls in China Bescheid wusste. Nach Westpol-Informationen habe Straßen.NRW den Minister schon vor über einem Jahr auf die Probleme hingewiesen. Man habe schon damals empfohlen die Verträge mit Porr zu kündigen.

Neuauschreibung ab kommender Woche

Ab kommender Woche will das Land die Aufträge zur Fertigstellung der A1-Rheinbrücke neu ausschreiben. Laut Ralf Leinemann, dem Anwalt der Porr AG, könne es dauern bis ein neuer Unternehmer gefunden sei. Er spricht von 3 bis 4 Monaten. Die Vollbeschäftigung und die Corona-Krise erschwerten die Suche. Außerdem müsse man mit den doppelten Kosten rechnen, rund 600 Millionen Euro stehen im Raum.

Weiter Jahrelange Staus zu erwarten

Die Leverkusener Rheinbrücke ist seit 2016 für Lkw gesperrt. Für die wird seitdem der Verkehr umgeleitet. Pendler stehen auf der Brücke im Dauerstau. Das wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst soll kommende Woche zu den Problemen an der Brücke im Landtag Stellung nehmen.

Stand: 26.04.2020, 21:50