Sexueller Missbrauch: Zwölf Jahre Haft für katholischen Priester

00:48 Min. Verfügbar bis 25.02.2023

Sexueller Missbrauch: Zwölf Jahre Haft für katholischen Priester

Stand: 25.02.2022, 13:46 Uhr

Das Urteil im Fall des wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten Priesters Ue ist am Freitag gefallen. Zwölf Jahre lautete das Strafmaß. Das ist ein deutliches Urteil für den fast 71 Jahre alten Geistlichen.

Von Markus Schmitz

In einer stundenlangen Urteilsbegründung schildert der Vorsitzende Richter die vielen Fälle. Dabei benutzt er auch Worte wie "ekelhaft", "fürchterlich" oder "abstoßend". Mehr als 100 Fälle konnten die Richter dem Angeklagten nachweisen. Davon auch viele wegen schweren sexuellen Missbrauchs, was mit Eindringen in den Körper verbunden ist. Es ging um Übergriffe gegen seine Nichten und viele weitere Mädchen. Der Richter beschreibt den Priester als Serientäter, der 40 Jahre lang seine pädokriminelle Neigung ausleben konnte. 

 Taten in Gummersbach, Wuppertal und Zülpich

Der Priester war jahrelang der respektierte Geistliche und Seelsorger der Gemeinden in verschiedenen Städten. Er suchte stets Kontakt zu Kindern, bot an, sie zu betreuen. Der Richter spricht von einem manipulativen Verhalten. Der Priester nutze das Vertrauensverhältnis von befreundeten Familien und der eigenen Familie aus. Er ließ die Mädchen bei sich übernachten. Es gab Geschenke und Süßigkeiten. In einem Fall betreute er die Tochter einer Frau, die alkoholkrank war. 

50.000 Euro Schmerzensgeld für Betroffene

Einige der vielen Nebenklägerinnen hatten Schmerzensgeld gefordert. Das Landgericht sprach ihnen insgesamt 50.000 Euro zu. Der Vorsitzende Richter sprach auch die Rolle des Kölner Erzbistums an. Ehemalige hohe Vertreter des Bistums hatten auch als Zeugen in dem Prozess ausgesagt. Im Jahr 2010 gab es eine Anzeige gegen den Priester, der die Kirche aber nicht ausreichend nachgegangen war. Der Richter ließ keinen Zweifel daran, dass das Erzbistum im Fall des Priesters Ue. mehr hätte tun müssen. Beispielsweise hätte das Erzbistum ihm ein dauerhaftes Kontaktverbot zu Kindern auferlegen müssen.