Der angeklagte Pfarrer vor Gericht.

Prozess: Katholischer Priester gesteht Missbrauch einer damals Zehnjährigen

Stand: 01.02.2022, 18:18 Uhr

Der wegen sexualisierter Gewalt angeklagte Priester aus dem Erzbistum Köln hat einen Teil der ihm vorgeworfenen Taten zugegeben. Er bestätigte den Missbrauch einer damals Zehnjährigen.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen den katholischen Priester sind massiv: Über Jahre hinweg soll sich der Geistliche an minderjährigen Mädchen vergangenen haben. Die Kinder waren zwischen sieben und dreizehn Jahre alt. Priester U. soll den Mädchen zum Teil schwere sexuelle Gewalt angetan haben. Am Dienstag wurde bekannt, dass er zumindest einen Teil der ihm vorgeworfenen Taten zugegeben hat.

Opfer sagte als Zeugin aus

Der Pfarrer hatte am Montag in nicht öffentlicher Sitzung am Landgericht Köln ein Geständnis abgelegt, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Kaufmann.  Ob U. alle Teile der Anklage gestand und ob er auch weitere Vorwürfe von Zeuginnen einräumte, wollte Kaufmann nicht beantworten.

Priester legt Teilgeständnis ab

Lokalzeit2go - Bergisches Land 01.02.2022 00:14 Min. Verfügbar bis 01.02.2023 WDR Wuppertal

Der Vorsitzende Richter Christoph Kaufmann erklärte, Priester U. habe die Vorwürfe von mindestens zwei Zeuginnen eingeräumt. Eine stammt aus Gummersbach, wo der Geistliche früher als Kreisjugendseelsorger tätig war und viele seiner Taten verübt haben soll. Die Zeugin war zum Tatzeitpunkt um das Jahr 2010 etwa zehn Jahre alt.

Anruf: Tochter solle sich einen Anwalt nehmen

Am Dienstag (01.02.2022) sagte die Mutter der damals Zehnjährigen aus. Sie berichtete von einem Anruf, den sie vor einigen Wochen vom Verteidiger des Geistlichen, Rüdiger Deckers, erhalten habe. Dieser habe ihrer Tochter geraten, sich einen Anwalt zu nehmen, da sie bei der polizeilichen Vernehmung die Unwahrheit gesagt habe. Sie habe diesen Anruf als Einschüchterung empfunden, so die Mutter. Richter Kaufmann erklärte daraufhin, dass der Angeklagte die Vorwürfe eingeräumt habe.

Töchter übernachteten regelmäßig im Pfarrhaus

Die Mutter, ihr Mann und ihre Töchter lernten U. etwa 2001 kennen und freundeten sich mit ihm an. Die Familie kommt aus Gummersbach, wo der Geistliche bis 1991 als Kreisjugendseelsorger tätig war. Dann wechselte er nach Wuppertal, wo die Töchter nach Aussage der Mutter regelmäßig im Pfarrhaus übernachteten.

Pfarrer U. ist in Untersuchungshaft

Der ehemalige Pfarrer U. steht seit November vor Gericht, weil er in den 1990er-Jahren seine drei minderjährigen Nichten über Jahre hinweg schwer sexuell missbraucht und sich 2011 an einem elfjährigen Mädchen vergangen haben soll. In dem Prozess wurde offenbar, dass es vier weitere mutmaßliche Opfer gibt. Richter Kaufmann riet dem Angeklagten, dem Gericht die Namen von noch unbekannten möglichen Geschädigten zu nennen. U. solle "wenigstens einmal" über seinen Schatten springen und mutmaßlichen Betroffenen helfen, als solche anerkannt zu werden. Das Urteil soll am 24. Februar verkündet werden.

Vorige Woche wurde U. im Gerichtssaal überraschend in Untersuchungshaft genommen. Einige Vorwürfe bezögen sich auf die jüngere Vergangenheit, weshalb Wiederholungsgefahr bestehe, hieß es zur Begründung.