Mordfall Claudia Ruf: Täter womöglich aus der Nachbarschaft

Polizeipressekonferenz zum Fall Claudia Ruf Lokalzeit2go - Bonn 15.11.2019 04:10 Min. Verfügbar bis 15.11.2020 WDR Bonn

Mordfall Claudia Ruf: Täter womöglich aus der Nachbarschaft

Von Christoph Hensgen und Jochen Hilgers

  • Neue Einschätzung von Tat und Täter
  • 1.600 Männer zu DNA-Massentest aufgefordert
  • Auch "Beinahe-Treffer" möglich

Mehr als 23 Jahre nach dem Sexualmord an der 11-jährigen Claudia Ruf aus Grevenbroich hat die Polizei eine neue heiße Spur. In Grevenbroich wurden bei einer Pressekonferenz am Freitag (15.11.2019) Details bekannt. Staatsanwaltschaft und Mordkommission vermuten, dass der Täter einen direkten Bezug zum Wohnort des Opfers in Hemmerden hatte. Dort beginnt kommende Woche eine sogenannte DNA-Reihenuntersuchung, also ein Massenspeicheltest. Der Sexualmord an Claudia Ruf ist bis heute ungeklärt.

Offenbar eine sogenannte Nahraumtat

Claudia Ruf war im Mai 1996 nahe ihres Elternhauses in Hemmerden bei Grevenbroich spurlos verschwunden. Zwei Tage später wurde ihre Leiche rund 70 Kilometer entfernt auf einem Feld im Euskirchener Ortsteil Oberwichterich gefunden. Über viele Jahre waren die Ermittler davon ausgegangen, dass ein durchreisender Täter sein Opfer zufällig bemerkte und kurzentschlossen entführte. Jetzt schätzen Profiler des LKA Düsseldorf die Tat jedoch anders ein. Sie sprechen mittlerweile von einer sogenannten Nahraumtat. Das heißt: Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter im Mai 1996 mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder in Hemmerden gewohnt oder zumindest einen starken Bezugspunkt dorthin hatte.

Mordfall Claudia Ruf

03:48 Min. Verfügbar bis 15.11.2020

Massenspeicheltest in Hemmerden

1.600 Männer, die damals zwischen 14 und 70 Jahre alt und in Hemmerden gemeldet waren, werden nun zu einem erneuten Massenspeicheltest aufgerufen. Zum ersten Mal wird dabei eine wichtige Gesetzesnovelle genutzt. Dabei geht es um die sogenannten "Beinahetreffer". Ermittler können über DNA-Spuren auch mögliche Verwandtschaftsgrade ermitteln. Heißt: Eine abgegebene DNA-Probe kann auch einem Verwandten, dem Sohn, dem Großvater zugeordnet werden. Diese Technik gibt es schon lange. Bis 2017 durften Wissenschaftler ihre Erkenntnisse allerdings noch nicht einmal an Ermittler weitergeben. Dies ist durch die Gesetzesnovelle jetzt aber erlaubt.

Der Fall Claudia Ruf, was war geschehen? Lokalzeit2go - Bonn 13.11.2019 02:42 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR Bonn

Ermittler gehen nicht von Serientäter aus

Mittlerweile gehen die Ermittler auch nicht mehr von einem Serientäter aus. Sondern von einem Mann, der nur ein einziges Mal in seinem Leben ein solches Verbrechen begangen hat. Professor Andreas Mokros von der Fernuniversität Hagen hat als forensischer Psychologe das Täterprofil im Fall Claudia Ruf mitentwickelt.

Er sagt, dass der Täter sich vermutlich in einer akuten Lebenskrise befand. Als feigen Duckmäuser schätzen ihn die Beamten der Mordkommission ein. Ein Täter, der seine Überlegenheit in diesem einen Moment ausnutzte und nie wieder in Erscheinung trat. Mokros glaubt, dass die erneute Öffentlichkeitsfahndung ihn massiv in Angst versetzen wird.  

Massenspeicheltest ab 23. November

Die freiwillige DNA-Reihenuntersuchung ist wohl die letzte Chance, den Mord an Claudia Ruf noch aufzuklären. In einem dramatischen Appell richtet sich daher der Vater Friedhelm Ruf an seine Mitbürger in Hemmerden. Friedhelm Ruf hatte sich seit der Tat nicht mehr öffentlich geäußert.

Je mehr Männer aus Hemmerden sich an den DNA-Tests beteiligen, desto höher ist die Chance, den Täter nach 23 Jahren doch noch zu überführen. Der Reihentest beginnt am 23. November.

Mordfall Claudia Ruf: Appell des Vaters Lokalzeit2go - Bonn 14.11.2019 01:35 Min. Verfügbar bis 15.11.2020 WDR Bonn

Stand: 15.11.2019, 11:00