Rheinisches Revier: Aktivisten bereiten sich auf Blockaden vor

Braunkohle-Bagger vor Kraftwerk Weisweiler

Rheinisches Revier: Aktivisten bereiten sich auf Blockaden vor

Von Britta Kuck

Umweltschützer und Braunkohlegegner wollen zum ersten Mal auch die Gasinfrastruktur in NRW blockieren. Ab Freitag sollen Aktionen unter anderem am Tagebau Garzweiler losgehen.

"Wir werden mit mehreren Tausend Menschen an die Orte der Zerstörung im Rheinischen Revier losziehen", sagte Paula Eisner, Sprecherin des Aktionsbündnisses Ende Gelände, am Donnerstagmorgen bei einer Pressekonferenz im Erkelenzer Ortsteil Keyenberg. Die Aktivisten wollen "Bagger blockieren, Züge blockieren und zum ersten Mal die Gasinfrastruktur", so Eisner. "Dann werden wir mal schauen, was passiert."

Polizeipräsident spricht von "Kampf um die Dörfer"

Die Polizei bereitet sich mit mehreren Hundertschaften auf einen Großeinsatz vor. Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach sagte dem WDR: "Das, worum es jetzt geht, ist der Kampf um die Dörfer, so wird es auch beschrieben. Der hat auch eine hohe Symbolkraft und Bildkraft."

Außerdem geht Weinspach davon aus, dass mit "Fortschreiten und Heranrücken des Tagebaus an die Dörfer, Abrissarbeiten, Fällarbeiten von Bäumen, wir eine ähnlich emotionalisierte Situation haben werden, wie wir sie 2018 im Hambacher Forst hatten."

Die Aachener Polizei kündigte an, friedlichen Protest im Sinne des Demonstrationsrechts zu schützen. Bei gewalttätigen und rechtswidrigen Aktionen würden die Beamten jedoch konsequent einschreiten.

Pressekonferenz im Klimacamp

Pressekonferenz im Klimacamp

Aktivisten auf mehrere Camps verteilt

Coronabedingt hat die Organisation "Ende Gelände" die Teilnehmerzahl am Protestwochenende auf 3.200 begrenzt. Diese Zahl sei fast erreicht, so das Bündnis. Zum Hygienekonzept gehört auch, dass die Teilnehmer auf zehn Camps verteilt werden, wo maximal 500 Menschen zelten dürfen, unter anderem in Aachen, Viersen und Keyenberg.

Außerdem hat "Ende Gelände" in den sozialen Medien darum gebeten, dass Leute aus Regionen mit hohen Covid-19-Infektionszahlen nicht an Protesten teilnehmen sollen. Konkret nennt Ende Gelände Hamm und Remscheid.

Keine anonymen Teilnehmer-Registrierungen

Streit vor Gericht gab es wegen eine anonymer Corona-IDs. Ende Gelände wollte eigentlich, dass sich alle Teilnehmer vorab anonym im Internet registrieren und dann eine ID bekommen. Wegen der Pandemie müssen jetzt aber doch Namen und Adressen der Teilnehmer erfasst werden, hat das Oberverwaltungsgericht in Münster Mittwochabend beschlossen.

Forderung nach schnellem Ausstieg aus der Braunkohleförderung

Bei der Pressekonferenz in Keyenberg stand auf einem Banner: "Es hat sich augeCO2hlt". Mit dem Wortspiel wollen die Aktivisten deutlich machen, dass der Co2-Ausstoß dringend reduziert werden müsse.

"Ende Gelände" fordert zusammen mit den Bewegungen "Fridays for Future", "Alle Dörfer bleiben" und den "Anti-Kohle-Kidz" einen sofortigen Ausstieg aus der Braunkohleförderung - und nicht erst 2038, so wie es das Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung vorsieht. Tagebaubetreiber RWE wollte sich auf WDR-Anfrage nicht zu den geplanten Aktionen äußern.

Stand: 24.09.2020, 15:14