Ausstellung Bundeskunsthalle: Frauen im Optimierungswahn

Anna Uddenberg: „Precarious Patricia“ aus dem Jahr 2019.

Ausstellung Bundeskunsthalle: Frauen im Optimierungswahn

  • Ausstellung "Power Play" kommt in die Bundeskunsthalle
  • Schwedische Künstlerin kreiert bizarre Frauen- und Sofa-Skulpturen
  • Kunst soll scheinbare Perfektion entlarven

Die schwedische Künstlerin Anna Uddenberg gestaltet und verfremdet Figuren, besonders Frauenkörper. Damit kritisiert die Bildhauerin den Optimierungswahn und die Rastlosigkeit in der Gesellschaft und hinterfragt die sexuelle Aufladung des weiblichen Körpers. Ab Freitag (05.04.2019) zeigt die Bonner Bundeskunsthalle Uddenbergs Stillleben.

Abstraktion von Weiblichkeit

Los geht es mit einer Barszene: Da räkelt und spreizt sich eine Striptease-Tänzerin, gesichtslos, mit roter Perücke und überlangen Fingernägeln. "Precarious Patricia" ist eine der jüngsten Arbeiten von Anna Uddenberg. Soll man sich jetzt neben diese laszive Frauenfigur setzen, auf einen der Barhocker? Das Wachpersonal sagt: Nein. Und auch Kuratorin Susanne Kleine empfiehlt, nicht dem ersten Hinsetz-Impuls nachzugehen, sondern auf kritische Distanz zu den Skulpturen der jungen Schwedin zu gehen.

Ausstellungsstück "Spoiled".

Sie sehen skurril aus: Uddenbergs Sofa-Skulpturen

Zwei weitere bizarr gekrümmte Frauenkörper sind scheinbar nackt und doch komplett verkleidet: Anna Uddenberg beklebt sie, vernäht Samtstoff, Kunsthaar oder auch Seidenstrümpfe. Außerdem zieht sie den Frauenkörpern Gummischuhe, Fahrradhelme oder Metallketten an.

Optische Perfektion ohne Nutzen

Die neun gezeigten Skulpturen stammen aus diesem und vergangenem Jahr. Sie stehen auf einem extra verlegten hellblauen Teppichboden und teils unter großen Sonnenschutzsegeln.

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Uddenbergs Sofa-Skulpturen sehen zwar auf den ersten Blick vielleicht bequem aus, aber reinsetzen ist nicht erlaubt - und auch gar nicht möglich: Die Sofas bestehen aus Polstern und Haltegriffen von Autos.

Interpretationsspielraum für den Betrachter

Anna Uddenberg will sich nicht festlegen, was die unterschiedlichen Stoffe, mit denen sie gearbeitet hat, zu bedeuten haben: Rattan, helles Leder oder flauschiges Kunstfell. Alles könnte feministische Kritik sein am Leben in ständiger Pose: Wie wir uns geben, kleiden, einrichten – und dabei fotografieren.

Die Ost-Galerie der Bonner Bundeskunsthalle stellt noch bis zum 22. September 2019 die provozierenden Frauenfiguren und Sofa-Skulpturen aus. Bequem machen die Werke es den Besucherinnen und Besuchern aber ganz bestimmt nicht.

Stand: 04.04.2019, 16:58