Warnstreiks bei der Deutschen Post gehen weiter

Leerer Briefkasten

Warnstreiks bei der Deutschen Post gehen weiter

Von Jörg Sauerwein

Viele Pakete und Briefe dürften auch am Donnerstag liegen geblieben sein. Die Gewerkschaft Verdi hat bei der Deutschen Post erneut zu Warnstreiks aufgerufen.

Nach der zweiten Tarifrunde in der vergangenen Woche lagen die Positionen zwischen Post und Gewerkschaft noch weit auseinander. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis sagte, die Post wolle die Mitarbeiter mit einer Erhöhung von 1,5 Prozent abspeisen. Das sei eine Provokation, die sich die Beschäftigten nicht bieten lassen wollten.

Zusteller: "Das geht gar nicht!"

Besonders im Frühjahr bescherte der boomende Online-Handel den Zustellern wie Wolfgang Roschke aus Frechen randvolle Paketwagen, wie es sie sonst nur während der Weihnachtszeit gibt.

Über die 1,5 Prozent mehr Geld, die die Post bisher angeboten hat, ärgert er sich deshalb: "In den letzten Jahren hat die Post wirklich außergewöhnlich hohe Gewinne gemacht. Jetzt durch Corona und den Boom des Internets wird das immer mehr. Und trotzdem bietet die Post wirklich nur so ein mageres Angebot an. Das geht gar nicht."

Bundesweite Streiks

Deshalb sollen Post-Mitarbeiter an verschiedenen Orten in ganz Deutschland nach dem Mittwoch auch am Donnerstag die Arbeit niederlegen. Betroffen sind Standorte in den Regionen Ostwestfalen, Siegerland und Münsterland sowie das Bergische Land und der Raum Köln-Bonn. Damit will die Gewerkschaft den Druck vor der dritten Tarifrunde in zwei Wochen erhöhen.

Wahlbriefe nicht gefährdet

Die Briefwahl in Nordrhein-Westfalen ist nach Angaben der Post nicht gefährdet. Diese Briefe würden jetzt mit Priorität behandelt. Am Mittwoch hielten sich die Auswirkungen des Streiks aber in Grenzen, sagt Postsprecher Alexander Edenhofer in Bonn.

"Die Warnstreiks sind sehr überschaubar und auch regional begrenzt. Wir haben momentan die Information, dass 8.000 Pakete, was 0,1 Prozent der Gesamtmenge entspricht, und 260.000 Briefe, was 0,5 Prozent der Gesamtmenge entspricht, betroffen sind, und an den besonders betroffenen Standorten wird dann die Brief- und Paketzustellung etwas verzögert stattfinden," so Edenhofer.

Forderung von 5,5 Prozent mehr Lohn

Verdi fordert unter anderem 5,5 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten. Außerdem sollen die Auszubildenden monatlich pauschal 90 Euro mehr Geld bekommen. Nach der zweiten Verhandlungsrunde in der vergangenen Woche aber sei eines klar gewesen, sagt die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis: Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter liegen weit auseinander.

Post Gewinner der Coronakrise

Die Gewerkschaft hält ihre Forderung für realistisch, da die Post wegen stark gestiegener Paketzahlen zu der Krisengewinnern gehöre. Anfang August hatte die Post erfolgreiche Zahlen für das zurückliegende Quartal gemeldet. Unter anderem war der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent gestiegen.

Sollten die Verhandlungen bis zur nächsten Tarifrunde am 21. und 22. September dann auch keine Einigung bringen, könnte sich einen Tag später schon die Verdi-Tarifkommission für unbefristete Streiks entscheiden, so Uwe Speckenwirth, der zuständige Verdi-Fachbereichsleiter in NRW. Dann dürften noch deutlich mehr Pakete und Briefe liegen bleiben.

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WDR 5 Profit - aktuell 26.05.2020 04:54 Min. Verfügbar bis 26.05.2021 WDR 5

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Stand: 09.09.2020, 13:53