Pop-Up-Radweg in Düsseldorf: Anwohner und Autofahrer sind sauer

Pop-up-Radweg in Düsseldorf

Pop-Up-Radweg in Düsseldorf: Anwohner und Autofahrer sind sauer

  • Radfahrer loben Pop-Up-Radweg in Düsseldorf
  • Anwohner und Autofahrer verärgert
  • Radweg ist ein Experiment auf Zeit

Bisher mussten sich Radfahrer am Düsseldorfer Rheinufer einen Schotterweg mit Fußgängern teilen. Jetzt hat die Stadt Düsseldorf eine von zwei besonders befahrenen Autospuren als Radweg abgetrennt - zumindest vorübergehend. 

Pop-Up-Radweg nennt sich das Experiment - ein Radweg, der nicht immer geöffnet ist.

Die neue Radspur geht von der Altstadt bis zur Arena und ist drei Kilometer lang. Befahrbar sein soll sie für Radfahrer an Wochenenden und in den Sommerferien. Sie wird mit Baken abgetrennt.

Stadteinwärts Stau - darum gibt es jetzt Streit

Pop-up-Radweg in Düsseldorf

Für Autofahrer bleibt stadteinwärts nur eine Spur

Samstag in Düsseldorf: Auf der Fahrbahn kommen die Radfahrer schneller voran. Die Autos aber werden ganz schön ausgebremst. Auf der einen Spur, die ihnen stadteinwärts bleibt, gibt es Stau.

"Furchtbar!", schimpft eine Autofahrerin, während Fahrer hinter ihr in der Schlange hupen. Dabei sei jetzt eine ruhige Zeit. "Wegen des Brückentages ist nicht so viel Verkehr."

Auch Anwohner sind wenig euphorisch. Sie finden den Radweg überflüssig, außerdem mache er die Straße gefährlich eng. Sie befürchten, dass Busse oder Lkw neben dem Radweg zum Teil bis auf die Gegenfahrbahn ausweichen müssen oder ihre Häuser auch nicht mehr gut erreichbar sind.

Eine Anwohnerin kritisiert den Pop-up-Radweg in Düsseldorf

Eine Anwohnerin kritisiert den Pop-up-Radweg in Düsseldorf

"Wir sehen wirklich die Gefahr, dass Rettungswagen und die Feuerwehr hier nicht mehr ankommen – oder auch die Müllabfuhr“, sagt eine Anwohnerin.

Ärgernis oder zukunftsweisendes Experiment?

In jedem Fall weckt der Radweg Emotionen. Für die einen ist er ein Ärgernis. Für die anderen ein zukunftsweisendes Experiment. 

Düsseldorf diskutiert - wie auch schon seit Einführung der Umweltspuren - darüber, wie Verkehr in der Zukunft in der Stadt aussehen soll.

Derweil sausen Radler am Wochenende in Düsseldorf an sich stauenden Autos vorbei.

In Krefeld und Dortmund fordern mehrere Initiativen für ihre Städte auch solche Pop-Up-Radwege. In Dortmund gab es am Montag (15.06.2020) eine Demo; die Krefelder wollen am 20. Juni demonstrieren.

Der Deutschen Umwelthilfe geht das alles noch nicht weit genug. Sie fordert größere Zugeständnisse für Radfahrer.

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Kommentar: Zum Weltfahrradtag

WDR 4 Zur Sache 03.06.2020 02:00 Min. Verfügbar bis 03.06.2021 WDR 4 Von Katja Schwiglewski


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"Man muss den Autos den Platz nehmen"

Radfahrerin lobt den Pop-up-Radweg in Düsseldorf

Radfahrerin lobt den Pop-up-Radweg in Düsseldorf

"Ich glaube nicht, dass jemand leugnet, dass Autos raus aus der Stadt müssen", sagt eine Radfahrerin in Düsseldorf. "Wenn sie nicht von selbst weggehen, muss man ihnen Platz wegnehmen."  

Die Maßnahme in Düsseldorf ist erst mal bis Ende August befristet - wie es danach weitergeht, muss noch entschieden werden.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat sich auch zum Pop-Up-Radweg geäußert. "Wir begrüßen den Mut von Politik und Verwaltung", sagt Jan-Philipp Holthoff vom ADFC Düsseldorf, aber der ADFC wünsche sich einen durchgehenden Radschnellweg mit Trennung von Fußgängern und Radfahrern.

Der Pop-Up-Radweg sei keine Dauerlösung. Der habe zu viele Mängel: kreuzende Fußgänger, zu viele Ampeln, zu schmal und nicht durchgehend in zwei Richtungen befahrbar.

Stand: 15.06.2020, 19:36