Schuss auf Bonner Polizisten: Ursache offenbar Leichtsinn

Das Bild zeigt einen Polizeibeamten in Uniform

Schuss auf Bonner Polizisten: Ursache offenbar Leichtsinn

Von Jochen Hilgers

  • Opfer mittlerweile außer Lebensgefahr
  • Einsatzübung der 13. Hundertschaft
  • Ermittlungen nach Köln abgegeben

Der gestrige (26.11.2018) Schießunfall im Keller des Bonner Polizeipräsidiums, bei der ein 23-jähriger Beamter lebensgefährlich verletzt wurde, ereignete sich nach WDR-Informationen aus unprofessionellem Leichtsinn. Demnach verwechselte der Schütze offenbar eine Übungs- und eine scharfe Waffe.

Amokübung im Keller des Polizeipräsidiums

Nach ersten Erkenntnissen hat sich folgendes abgespielt: Die Beamten der in Bonn stationierten 13. Hundertschaft trainieren das taktische Einsatzvorgehen in einem Amokfall. Zwei Beamte, die offenbar Übungs- und scharfe Waffen bei sich führen, wechseln dann den Raum. Einer, ein 22-jähriger Beamter, führt spielerisch seine Waffe an den Hals des Opfers und drückt dann ab. Offenbar nimmt er fälschlicherweise an, mit einer harmlosen Übungswaffe zu hantieren. Der 23-jährige bricht zusammen, verliert sofort viel Blut. Das Opfer hat Glück, dass einer seiner Kollegen ausgebildeter Rettungssanitäter ist und sofort die Versorgung übernimmt. Eine Stunde wird der 23-jährige reanimiert bis er transportfähig ist und in den Unikliniken notoperiert werden kann. Er ist nicht mehr in Lebensgefahr.

Polizisten werden von Kölner Kollegen vernommen

Die Beamten der 13. Hundertschaft stehen unter Schock. Sie werden von ihren Kölner Kollegen vernommen, die aus Neutralitätsgründen mit der Staatsanwaltschaft Bonn in diesem Fall ermitteln. Die 13. Hundertschaft der nordrhein-westfälischen Polizei hat bisher einen tadellosen Ruf. Sie wird häufig bei Hochrisikospielen im bezahlten Fußball eingesetzt und war wochenlang auch im Hambacher Forst tätig.

Polizeiinterne Diskussion

Vorgesetzte zeigen sich am Dienstagvormittag entsetzt über diese ersten vorläufigen Ermittlungsergebnisse. Immerhin wird den Beamten schon von Beginn ihrer Ausbildung der sorgsame Umgang auch mit Übungswaffen eingetrichtert. Leichtsinn beim Hantieren mit Waffen gilt unter Polizisten eigentlich als absolutes no-go.

Der Vorfall erinnert an einen weiteren tragischen Übungsunfall im Februar 2004 in Köln. Dort erschoss ein SEK-Beamter seinen 32-jährigen Kollegen.

Stand: 27.11.2018, 14:37