Polizisten stehen neben blauem Kleintransporter

Erhebliche Mängel bei Pakettransportern in Erftstadt festgestellt

Stand: 04.10.2021, 18:39 Uhr

Zwei LKW mussten sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Viele der über 40 überprüften Transporter hatten erhebliche Mängel. Die Bilanz von Polizei, Zoll und Steuerbehörden ist eindeutig.

Von Stephan Pesch

Vor einem weißen Transporter hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Sechs Polizeibeamte stehen kopfschüttelnd am Fahrerhaus, während einer von ihnen versucht, die Beifahrertür zu bewegen. Das klappt aber nicht. Denn eines der Scharniere ist gebrochen. Dadurch droht die Tür abzubrechen. Der Wagen wird deshalb sofort stillgelegt. Es bleibt nicht der Einzige, der Polizei, Zoll und Steuerbehörden bei ihrer Kontrollaktion negativ auffällt. Gemeinsam überprüfen sie am Montag in Erftstadt Paketzulieferer.

Auch einige Meter weiter ist die Polizei nicht zimperlich. Wieder ist ihnen ein Transporter unangenehm aufgefallen. Zwei Reifen sind fast platt. Doch es fehlt nicht nur der korrekte Luftdruck. Den Reifen fehlt auch Profil. "Das sind alles rollende Zeitbomben auf unseren Straßen." sagt Bernd Mauel von der Polizei des Rhein-Erft-Kreises, die bei der Großkontrolle am Montag in Erftstadt den Hut auf hat.

"Das sind alles rollende Zeitbomben auf unseren Straßen." Bernd Mauel,
Polizei des Rhein-Erft-Kreises

Nicht weit von der Kontrollstelle entfernt, im Gewerbegebiet von Erftstadt Lechenich, befindet sich ein dpd Paketzentrum. Mit über 300 Beladetoren ist es eines der größten im Rheinland. Auf den Zufahrtsstraßen herrscht schon am frühen Morgen Hochbetrieb. LKW, Kleintransporter und Lieferwagen stehen und fahren hier Stoßstange an Stoßstange. Immer wieder fischt die Polizei eines der Fahrzeuge aus dem fließenden Verkehr. Ein Beamter winkt die Fahrer auf ein Teilstück der Bundesstraße 265. Wegen des Hochwassers der Erft Mitte Juli ist das Teilstück immer noch gesperrt. Hier haben die Frauen und Männer der Polizei, des Zolls und der Steuerbehörden viel Platz für ihre Kontrollen. Am Ende ihres Einsatzes haben mehr als die Hälfte der überprüften Paketzulieferer eine Anzeige in der Tasche.

Und es sind nicht nur Mängel bei den Lieferfahrzeugen, die den Behörden auffallen. Mehrere Fahrer sind total übermüdet. Die Polizei stellt bei ihnen fest: Sie sitzen schon viel zu lange hinter dem Steuer. Darüber hinaus fehlen immer wieder Papiere, Ausweise und Kenntnisse, wie sie ihre Fracht sichern müssen. Insgesamt 23 Fahrer und Halter werden wegen Verstößen gegen Gefahrgutvorschriften und das Fahrpersonalgesetz Post von der Bußgeldstelle erhalten, ergänzt Bernd Mauel. In der Regel bewegen sich die hierzu fälligen Bußgelder im dreistelligen Eurobereich.

"Man muss sich vorstellen, wenn so ein Fahrzeug eine Vollbremsung machen muss, dann kann man sich ausrechnen was passiert, wenn die Bremsen versagen oder die Lenkung nicht tut was sie soll." Bernd Mauel,
Polizei des Rhein-Erft-Kreises

Gegen Mittag wird die Kontrollaktion beendet. Der Grund: Weit und breit ist kein Transporter mehr auf der Straße. Zoll und Polizei gehen davon, dass sich ihr Einsatz unter den Fahrern herum gesprochen hat. Doch schon bald wollen sie hier wieder stehen. Denn die Beamten wissen. Mit dem Boom bei den Paketdiensten steigt seit Jahren auch die Zahl der Unfälle im Schwerlast- und Güterverkehr. Deshalb würden auch in Erftstadt weitere Kontrollen folgen.