Polen protestiert gegen Düsseldorfer Karnevalswagen zum Thema Abtreibung

Rosenmontag in Düsseldorf

Polen protestiert gegen Düsseldorfer Karnevalswagen zum Thema Abtreibung

Nur acht Karnevals-Mottowagen waren am Montag in Düsseldorf unterwegs. Gegen einen Wagen zum Thema Abtreibung haben jetzt polnische Diplomaten protestiert.

Aufgrund der Corona-Pandemie war dieser Rosenmontag anders und ruhiger als je zuvor. Und trotzdem birgt ein Karnevalswagen besonderes Konfliktpotenzial. Polnische Diplomaten haben sich bei den Veranstaltern des Rosenmontagszugs gemeldet und darauf hingewiesen, dass die "Darstellung von vielen Menschen, nicht nur in Polen, als verletzend angesehen werden könnte", wie ein Sprecher der polnischen Botschaft in Berlin sagte.

Wagen spielt auf Abtreibungsverbot an

Auf einem der acht Wagen vom Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly, die am Montag auf einer vorher nicht bekanntgebebenen Route durch die Düsseldorfer Innenstadt fuhren, war ein Mann zu sehen, der mit einem Kreuz einen Pflock in den Brustkorb einer Frau treibt.

Die Beschriftung "Abtreibungsrecht" und die große Ähnlichkeit des Mannes mit Jaroslaw Kaczynksi, Chef der polnischen Regierungspartei PiS, lassen kaum Zweifel zu: Der Wagen ist eine Anspielung auf das Verfassungsgerichtsurteil, das Frauen auch dann eine Abtreibung verbietet, sollte der Fötus schwere Fehlbildungen aufweisen.

Düsseldorf: Jecker Zoch trotz Pandemie

WDR 5 Westblick - aktuell 15.02.2021 03:11 Min. Verfügbar bis 15.02.2022 WDR 5 Von Peter Hild


Download

Narrenfreiheit vs. katholische Werte

Dariusz Pawlos, polnischer Botschaftssprecher, sagte, man schätze die Karnevalstradition und die närrischen Freiheiten am Rhein. Dennoch: "Der katholische Glaube, seine Werte und Symbole spielen jedoch für viele Menschen weltweit eine besondere Rolle im Leben, insbesondere in unsicheren Zeiten, wie wir sie alle während der Pandemie erleben."

Die Organisatoren hätten bedenken sollen, dass der Glaube und die Kirche in vielen schwierigen Situationen den Menschen einen Halt im Leben gebe.

Mottowagenbauer Tilly entspannt

Der Düsseldorfer Mottowagenbauer Jacques Tilly hat entspannt auf die Vorwürfe reagiert. Er sei immer für Streitkultur, das sei wichtig für eine demokratische Meinungsfindung und deshalb mache ihm Kritik nichts aus: "Dieser Wagen sollte ja auch treffen, der sollte die Regierung treffen, sollte das Verfassungsgericht treffen und wenn die sich aufregen, dann ist das ein Zeichen, dass das gelungen ist."

Stand: 16.02.2021, 19:36

Weitere Themen