Wie geht es weiter am Stadtarchiv - KVB und Stadt äußern sich 

Einsturzstelle des Historischen Archivs der Stadtt Köln

Wie geht es weiter am Stadtarchiv - KVB und Stadt äußern sich 

  • Termin ist nur eine Schätzung 
  • Vertrag mit Arge ist unterschrieben
  • Viel Arbeit steht bevor

"Die juristischen Akten sind geschlossen und jetzt werden die Baumaschinen in die Hand genommen." So leitete Oberbürgermeisterin Reker heute (30.06.) die Pressekonferenz ein. Alle sind sich einig, dass der Vergleich mit den drei Baufirmen sehr gut ist für die Stadt. Die Einigung besagt nun, dass die drei Baufirmen 600 Millionen Euro zahlen, das U-Bahn Gebäude am Waidmarkt fertigstellen und zusätzlich noch einen Raum für das Gedenkzentrum herstellen. Dafür droht nun nicht mehr ein Zivilprozess, der möglicherweise zehn Jahre dauern würde. 

Intensive Bauarbeiten 

An der Einsturzstelle gehen die Arbeiten nun so schnell wie möglich weiter. Das sogennannte Besichtigungsbauwerk, in dem Taucher in der Tiefe die Bodenschichten untersucht haben, kann verfüllt werden. Anschliessend entsteht eine Wasserbetonsohle, damit das Bauwerk nicht durch das Grundwasser hochgedrückt wird. Außerdem müssen etliche Tonnen Beton aus der Tiefe geholt werden. Dieses Material wurde noch am Einsturztag in die Grube verfüllt, weil man so das unterirdische Bauwerk stabilisieren wollte. Das sind nur wenige Beispiele für die intensiven Arbeiten, die anstehen. 

Baustelle bleibt der Südstadt noch lange erhalten

Es wird für die Menschen an der Severinstraße weiterhin Beeinträchtigungen geben, sagt die KVB. Es müsse auch hin und wieder für eine längere Zeit die Straße für den Autoverkehr gesperrt werden. Nach einer vorsichtigen Schätzung der KVB könnte die Nord-Süd Stadtbahn möglicherweise im Jahre 2027 oder 2028 fahren. 

Die Oberbürgermeisterin sagte, dass die Verträge für den Vergleich unterschrieben seien, jetzt müsse die Kämmerin nur noch die Kontonummer weitergeben, damit die drei Baufirmen die 600 Milldonen Euro überweisen können. 

Einsturz des Kölner Stadtarchivs: Eine Chronologie in Bildern

Elf Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat der Stadtrat einem 600 Mio. Euro-Vergleich zugestimmt. Ein Meilenstein in diesem Kapitel der Stadtgeschichte.

Das Historische Kölner Stadtarchiv

So sah das 1971 eröffnete Kölner Stadtarchiv in der Südtstadt aus - bis zum 3. März 2009.

So sah das 1971 eröffnete Kölner Stadtarchiv in der Südtstadt aus - bis zum 3. März 2009.

Gegen 14 Uhr ist ein dumpfes Grollen zu hören. Minuten später bricht das sechsstöckige Gebäude in sich zusammen.

Aus dem Archivhaus konnten sich alle retten, zwei Menschen aus dem Nachbarhaus nicht.

Zwei junge Männer werden im Schlaf überrascht und unter den Trümmern begraben. Die Suche dauert Tage.

Am 4. März gibt OB Fritz Schramma bekannt, dass der U-Bahn-Bau wahrscheinlich Einsturz-Ursache ist.

Helfer beginnen, die Trümmer nach Dokumenten, Akten und Urkunden der Kölner Stadtgeschichte zu durchsuchen.

Vieles ist durch das einströmende Grundwasser komplett durchnässt.

Etwa 95 Prozent der Dokumente können geborgen werden. Ein mühsamer Restaurierungsprozess beginnt.

Durch ein spezielles Gefriertrocknungsverfahren lassen sich viele Dokumente einigermaßen wieder herstellen.

Bei anderen ist eine Rettung nicht mehr möglich. Sachschaden: rund 1,2 Milliarden Euro.

Laut Staatsanwaltschaft sollen zwei Bauarbeiter beim Aushub geschlampt haben.  

Erst nach Abschluss der Beweissicherung kann der U-Bahn-Ausbau fortgesetzt werden - geplante Fertigstellung im Jahr 2026.

Im März 2017 beginnt der Neubau - geplante Kosten: 83 Millionen Euro.

Am 31. August 2017 verkündet das Landgericht Köln die Anklage wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung.

Der erste strafrechtliche Prozess startet am 17. Januar 2018. Fünf von ehemals sieben Angeklagten stehen vor Gericht. 116 Verhandlungstage hat der Richter angesetzt für die Vernehmung von 93 Zeugen und zehn Sachverständigen.

Am 2. März 2018, fast auf den Tag genau neun Jahre nach dem Einsturz des Stadtarchivs, wird das Richtfest des Neubaus am Eifelwall gefeiert. Ende 2020 soll der Neubau fertig sein.

Anfang August 2018 steht ein Oberbauleiter in einem weiteren Strafprozess vor Gericht. Er soll von den Problemen am Bau gewusst, aber nichts unternommen haben. Fahrlässige Tötung wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Er wird zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Acht Monate Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung lautet auch das Urteil gegen den Bauüberwacher der Kölner Verkehrsbetriebe, mit dem der zweite Strafprozess am 12. Oktober 2018 endet. Drei der vier anderen Angeklagten bleiben straffrei.

Am Montag (29.06.2020) hat der Rat der Stadt entschieden, den jahrelangen zivilrechtliche Streit zu beenden. Der Kompromiss sieht vor, dass die Foirmen 600 Millionen Euro zahlen.

Darüber wird die U-Bahn-Baustelle auf Kosten der Firmen fertiggestellt und ein Raum für ein Gedenkzentrum gebaut.

Stand: 30.06.2020, 15:27

Weitere Themen