Kölner Archiv-Einsturz: Bewährungsstrafen gefordert

Das eingestürzte Historische Stadtarchiv Köln im Jahr 2009

Kölner Archiv-Einsturz: Bewährungsstrafen gefordert

  • Staatsanwalt fordert Bewährungsstrafen
  • Drei Angeklagten wird fahrlässige Tötung vorgeworfen
  • Prozess endet lange vor Verjährung

Im Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor neun Jahren hat die Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen für drei der vier Angeklagten gefordert. Zwei damalige Bauleiter sollten wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung zu jeweils einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt werden, sagte Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich am Mittwoch (26.09.2018) in seinem Plädoyer.

Nicht ausreichende Dokumentation?

Für einen Bauüberwacher forderte er zehn Monate auf Bewährung. Die drei Angeklagten hätten die Bauarbeiten vor dem Archiv nicht wie vorgeschrieben überprüft, dokumentiert und kommuniziert.

Die vierte Angeklagte, eine weitere Bauüberwacherin der KVB, soll nach Auffassung der Staatsanwaltschaft freigesprochen werden. Ihr hätten entscheidende Informationen gefehlt, um die Folgen der Taten vorhersehen können. Die beiden Bauleiter waren für private Unternehmen an der späteren Unglücksstelle tätig, die beiden Bauüberwacher für die Kölner Verkehrsbetriebe.

An den kommenden Verhandlungstagen sollen die Plädoyers der Verteidiger der vier Angeklagte und der Nebenkläger folgen. Im Oktober dürfte das Kölner Landgericht dann sein Urteil sprechen - deutlich früher als vor dem Verjährungstermin Anfang März 2019. 

Fehler bei Bauarbeiten?

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat ein Fehler bei einer U-Bahn-Baustelle das Unglück am 3. März 2009 ausgelöst. Die Baufirmen bestreiten das.

Zwei Tote, Milliarden-Sachschaden

Beim Einsturz des Stadtarchivs waren zwei Anwohner gestorben. Der Sachschaden beläuft sich nach Angaben der Stadt Köln auf mehr als eine Milliarde Euro. Ungezählte historische Dokumente wurden zerstört oder stark beschädigt.

Stand: 26.09.2018, 18:38