Klima-Pilger erreichen Tagebau Garzweiler II

Pilgergruppe läuft auf einem Feldweg mit einem gelben Kreuz

Klima-Pilger erreichen Tagebau Garzweiler II

Von Thomas Wenkert

Umweltschützer haben einen 470 Kilometer langen Kreuzweg von Gorleben bis an den Tagebau Garzweiler II beendet. Die Aktivisten kamen am Sonntag in Erkelenz-Lützerath an.

Rund 80 Teilnehmer des Pilgerzugs "Kreuzweg für die Schöpfung" errichten ein großes gelbes Kreuz an der Stelle, wo einst eine Kapelle gestanden hat. Ein Bild mit hoher Symbolkraft, denn der Ort Lützerath soll dem Braunkohlentagebau Garzweiler II weichen. Viele Häuser wurden schon abgerissen.

Mehr als 470 Kilometer gepilgert

Anfang Juli startete der Pilgerzug am Atommülllager Gorleben im Wendland. "Der gleichzeitige Ausstieg aus Kohle, Gas und Atom ist zwingend notwendig – und auch machbar", sagt Elisabeth Hanfner Reckers, eine der Mitorganisatorin des Kreuzwegs. Nach 470 Kilometer hat der Zug nun die vom Tagebau Garzweiler II bedrohten Dörfer erreicht.

Einen ersten Zwischenstopp gab es in der Ortschaft Keyenberg – von Band läuteten zur Begrüßung die Glocken der katholischen Kirche. Applaus brandete auf, als die Pilger in dem Ort ankamen. "Wir brauchen keine Braunkohle mehr", äußert sich Britta Kox von der Initiative "Alle Dörfer bleiben". Sie ist selbst Garzweiler-II-Betroffene und will ihre Heimat nicht verlassen.

Unschöne Szenen in Hamm

Zuvor hatten die Teilnehmer von einem Aussichtspunkt aus einen Blick in den Tagebau Garzweiler II geworfen. Und immer wieder hörte man einen Satz: So viel Zerstörung von Natur und Dörfern für die Braunkohle. Unglaublich! Viele Pilgerer schauten entsetzt in den großen Tagebau.

Hier wurde auch noch einmal ein Polizeieinsatz in Hamm kritisiert. Am 23. Juli sei der Pilgerzug von einem unverhältnismäßigen und unbegründeten Polizeieinsatz gestoppt worden. Ein Pilger kam in Gewahrsam, eine Pilgerin wurde am Kopf verletzt. Mittlerweile hat das NRW-Innenministerium auf Intervention des rheinischen Präses Thorsten Latzel eine Untersuchung zugesagt.

 Proteste sollen weitergehen

In Lützerath, der letzten Etappe, wurde am Sonntagabend ein Abschluss-Gottesdienst gefeiert. Die Proteste gegen den Braunkohlentagebau Garzweiler werden aber in den nächsten Wochen weitergehen.

Bereits in wenigen Tagen startet das Festival "Kultur ohne Kohle" in Lützerath. Und am kommenden Samstag ist eine Menschenkette am Braunkohlentagebau Garzweiler II geplant. Die Organisatoren rechnen mit bis zu 5.000 Teilnehmern.

Stand: 01.08.2021, 17:31