Ennepetaler Pflegerin rührt mit seltener Tanzeinlage

Pflegerin tanzt mit Patientin – mehr Zeit für Patienten Aktuelle Stunde 18.02.2019 03:14 Min. UT Verfügbar bis 18.02.2020 WDR Von Susanna Zdrzalek

Ennepetaler Pflegerin rührt mit seltener Tanzeinlage

  • Pflegerin tanzt mit pflegebedürftiger Patientin
  • Video des Ennepetaler Pflegedienstes rührt User
  • Ausnahme statt Alltag: Wenig Zeit in der Pflege

Es sind viereinhalb Minuten pure Lebensfreude: Das Mädchen Lara sitzt in einem Deckenlift und tanzt mit ihrer Pflegerin Sylvia – passenderweise zum Dirty-Dancing-Hit "The Time of My Life". Die Leiterin des Pflegedienstes aus Ennepetal, Marianne Szaszowski, hat den Moment festgehalten und dem WDR geschickt.

Pflegerin tanzt

Lara (2.v.r.) empfand den Tanz als "unglaublich schön"

Die 13 Jahre alte Lara, die rund um die Uhr betreut werden muss, empfand den Tanz als "unglaublich schön". Auf den Facebook-Videopost reagieren zahlreiche User gerührt. "Ein wunderschönes Beispiel für Menschen die mit Herz einen so harten und schweren Beruf ausüben", schreibt Stefanie. Und Michaela Stein gesteht: "Da kullern mir echt die Tränen. Sehr sehr schön."

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Intensive Momente eher selten

Doch viele Kommentare machen auch auf den Pflegenotstand, fehlende Zeit und verkrustete Strukturen aufmerksam. Lara erhält eine 24-Stunden-Versorgung, was es einfacher macht, sich Zeit für Abwechslung und intensive Momente zu nehmen.

"Wir haben einen strikten Tagesplan, aber wenn wir zwischendurch Zeit haben, nehmen wir uns diese gerne", sagt Szaszowski. "Man sieht im Video, was Lara für einen Spaß hat. Warum sollte man es so einem jungen Menschen wegnehmen?"

Wirtschaftliche Einbußen

Auch Szaszowski weiß, dass ein Tanz oder auch ein Spaziergang, Kartenspielen oder längere Gespräche angesichts des Pensums für Pflegekräfte eher die Ausnahmen sind. "Wenn ich das wirtschaftlich betrachte, mache ich große Einbußen damit, dass ich meinen Pflegekräften die Möglichkeit gebe, dass sie sich Zeit für so etwas nehmen."

Betreuungsgelder bleiben oft ungenutzt

Was können Pflegebedürftige und Angehörige unternehmen, um sich Momente nach Laras Vorbild zu erkämpfen? Die Sprecherin des Verbandes der Ersatzkassen in NRW, Sigrid Averesch-Tietz, empfiehlt, für Leistungen, die über die Pflege hinausgehen, den sogenannten Entlastungsbetrag zu nutzen.

Die Pflegekassen erstatten Pflegebedürftigen bis zu 125 Euro im Monat für eine Alltags- und Pflegebegleitung, die dem Patienten vorlesen, spielen oder Spazierengehen. Nach Schätzungen des Arbeiter-Samariter-Bundes wird dies aber nur von weniger als ein Drittel der Berechtigten genutzt.

Stand: 18.02.2019, 19:30