Pferde im Karneval: Pro und Contra

Pferde im Rosenmontagszug

Pferde im Karneval: Pro und Contra

Von Katja Goebel

  • Hunderte Pferde wieder bei Karnevalsumzügen in NRW
  • Karnevalisten trainieren Gelassenheit der Tiere
  • Tierschützer: Fluchttiere haben nichts bei Massenevents verloren

Mehrere Unfälle mit Pferden haben die Rosenmontagszüge der vergangenen Jahre überschattet. Seitdem entbrennt regelmäßig Streit darüber, ob und warum Pferde überhaupt bei solchen Großveranstaltungen mitlaufen sollen.

Was sagen die Karnevalisten?

Für viele Karnevalisten spricht schon die fast 200 Jahre alte Tradition gegen ein Pferdeverbot. So argumentiert das Kölner Karnevalskomitee, dass Reiterkorps dann gar nicht mehr teilnehmen könnten.

Die Reiter berufen sich außerdem auf eine gute Vorbereitung der Pferde durch intensives Training. So müssen die Tiere in Duisburg zum Beispiel zuvor eine Gelassenheitsprüfung ablegen.

Welche Unfälle mit Pferden gab es?

2017 brach in Köln eine Stute unter ihrer Reiterin zusammen und lag länger bewusstlos auf der Straße. Im selben Jahr verunglückte im Bonner Karneval eine Kutsche. Ein Pferd wurde dabei lebensgefährlich verletzt. 2018 ging im Kölner Karneval eine Kutschengespann durch und überrollt Menschen. Fazit: vier Verletzte.

Welche Konsequenzen wurden nach den Unfällen gezogen?

Nach dem Kutschenunfall in Köln entschied der Rat der Stadt 2018, dass weiterhin Pferde im Rosenmontagszug mitlaufen - allerdings unter strengeren Sicherheitsvorkehrungen: Mehr Personal, keine Pauken auf Pferden.

In Düsseldorf hat das Festkommitee nach den Unfällen anders entschieden. Hier werden 2019 keine Kutschen mitgehen. Beim Bonner Rosenmontagszug werden 2019 wieder mehr Pferde mitgehen. 2018 hatte die Ehrengarde auf Pferde mit Reitern im Zug verzichtet.

Auch die kleine Reitergruppe des Kölner Karnevalvereins "Rote Funken" bereitet sich intensiv vor - und veranstaltet noch kurz vor dem Rosenmontag einen Proberitt in der Innenstadt. "Wir nehmen das sehr ernst", sagt Sprecher Günter Ebert.

Man pflege die vorgeschriebenen Reiterpässe und könne genug Reitstunden vorweisen. "Wir halten uns an die Vorschriften, mehr können wir nicht tun. Da müssten sie ja auch jedes Pferd beim Schützenumzug verbieten."

Was sagen die Gegner?

Tierschützer beobachten nach eigenen Angaben seit Jahren Anzeichen für Stress wie nervöses Tänzeln, Schwitzen oder Augenrollen. "Pferde sind Fluchttiere und haben bei so einem Massenevent nichts zu suchen", sagt Claus Kronaus, Geschäftsführer beim Ärzte gegen Tierversuche e.V. und Mitglied im Kölner Netzwerk für Tiere.

Das stelle einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar. "Die Kutschpferde, die im Kölner Rosenmontagszug durchgingen, sind am Ende mit voller Wucht gegen einen Lkw gerannt. Das waren für mich keine erfahrenen Tiere."

Pferde im Karneval

WDR 5 Morgenecho - Beiträge | 25.01.2019 | 04:35 Min. | Von Jörg Sauerwein

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Im Gedränge könnten die Tiere leicht von Wurfgeschossen wie Kamelle, Flaschen oder Apfelsinen getroffen werden. "Da rennt jedes Pferd los. Das können Sie nicht weg trainieren", so Kronaus, der betont, man wolle die Karnevalisten nicht anprangern.

Die Tierschützer filmen Pferde im Karneval regelmäßig. Neben dem Einsatz scharfer Kandaren, habe man immer wieder die sogenannte Rollkur beobachtet, das starke Heranziehen des Pferdekopfes auf die Brust.

Außerdem habe man völlig apathische Tiere beobachtet. "Wir gehen davon aus, dass es Sedierungen gibt." Die Tierärzte könnten nicht alle Pferde kontrollieren.

Auch Stephan Derks vom Kreispferdesportverband Kleve sieht ein Risiko. Denn ob sich alle Menschen an der Strecke im Zusammenspiel mit den Pferden richtig verhalten, könne man kaum kontrollieren. Er sieht Gefahren für Zuschauer.

Rosenmontag: Mit Pferden, ohne Biss

WDR 5 Morgenecho - Interview | 16.02.2019 | 04:57 Min.

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Stand: 16.02.2019, 06:00

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