Dormagen: Nach Kritik an Woelki doch keine Konsequenzen für Pfarrer

Dormagen: Nach Kritik an Woelki doch keine Konsequenzen für Pfarrer

Nachdem ein Pfarrer aus Dormagen Aussagen von Kardinal Woelki kritisiert hat, hatte ihm das Erzbistum Köln zunächst mit Konsequenzen gedroht. Am Montagnachmittag kam die Kehrtwende.

Der Geistliche aus Dormagen hat Äußerungen von Kardinal Rainer Maria Woelki aus der Heiligabend-Predigt im Kölner Dom kritisiert. Pfarrer Klaus Koltermann hält Woelkis Worte zum Thema sexualisierte Gewalt in der Kirche für nicht ausreichend. Er vermisst Woelkis Reue. "Das ist keine Entschuldigung". Mit seinen Ausführungen habe er den Rest seiner Glaubwürdigkeit verspielt.

Erzbistum drohte mit Konsequenzen

Das Erzbistum Köln hatte Koltermann für diese Aussagen zunächst dienstrechtliche Konsequenzen angekündigt. Der Personalchef im Erzbistum, Mike Kolb, informierte den Pfarrer in einem Brief über eine entsprechende Prüfung des Sachverhaltes.

Die Aussagen des Pfarrers wurden als "öffentliches Eintreten gegen die Katholische Kirche, das Erzbistum Köln und dessen Amtsträger" gewertet, das sei nicht mit den "Loyalitätspflichten im Seelsorgedienst" vereinbar, hieß es.

Koltermann blieb standhaft

Auf dem Foto steht Pfarrer Klaus Koltermann in einer Kirche.

Muss jetzt doch keine Konsequenzen fürchten: Pfarrer Klaus Koltermann.

Aber Koltermann bleib bei seinem Standpunkt: Ihn beschäftige das Thema sehr, denn er werde immer wieder auf das Thema Missbrauch in der Kirche angesprochen. Deswegen bekomme er 30 bis 40 Mails täglich, sagt der Dormagener Pfarrer.

In einer davon hat ihn ein älterer Mann um Hilfe gebeten. Die Enkel des Mannes sind Messdiener. "Opa, was sagst du zu dem Missbrauch?", haben sie ihn gefragt. Diese Frage gab der ältere Mann an seinen Pfarrer weiter. Koltermann nehme solche Mails ernst, sagt er.

Erzbistum schließt Vorgang ab

Am Montagnachmittag kommt die überraschende Wende: Das Erzbistum nimmt seine Ankündigung wieder zurück: Weil Koltermann seinen Standpunkt ausführlich erläutert habe, bestünden keine Nachfragen mehr. Der Vorgang sei damit abgeschlossen, Konsequenzen gäbe es keine.

Vorwurf der Vertuschung

Kardinal Rainer Maria Woelki sieht sich derzeit massiver Kritik ausgesetzt. Grund dafür ist, dass er ein Gutachten zum Umgang der Bistumsleitung mit Missbrauchsfällen nicht wie zunächst vorgesehen veröffentlichen lässt. Das Papier weise "methodische Mängel" auf, heißt es in der Begründung.

Woelki wird außerdem vorgeworfen, selbst an einer Vertuschung beteiligt gewesen zu sein. Er soll einen Missbrauchsfall aus den 1970er Jahren vertuscht haben. Der Kardinal soll im Jahr 2015 von dem Missbrauchsfall erfahren haben, ihn aber nicht wie vorgeschrieben dem Vatikan gemeldet haben.

Inzwischen hat Rainer Maria Woelki Papst Franziskus gebeten, zu prüfen, ob er eine Pflichtverletzung nach Kirchenrecht begangen hat. Ein zweites Gutachten zur sexualisierten Gewalt soll laut Erzbischof Woelki nun im März veröffentlicht werden.

Stand: 11.01.2021, 18:08