"Rockpalast"-Miterfinder Peter Rüchel gestorben

WDR Geschichte(n) - Eine Zeitreise in 14 Interviews (12/14) | Peter Rüchel WDR-Geschichte(n) 22.02.2019 59:29 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Klaus Michael Heinz

"Rockpalast"-Miterfinder Peter Rüchel gestorben

  • Peter Rüchel ist tot
  • "Rockpalast"-Miterfinder wurde 81 Jahre alt
  • Giganten des Rock und Pop nach Deutschland geholt

Peter Rüchel, Miterfinder der WDR-Musiksendung "Rockpalast", ist am Mittwoch (20.02.2019) im Alter von 81 Jahren in Leverkusen gestorben. "Mit dem Rockpalast haben er und Regisseur Christian Wagner vor mehr als 40 Jahren etwas Neues, Aufregendes und Einzigartiges geschaffen", sagte WDR-Intendant Tom Buhrow.

Peter Rüchel

Peter Rüchel

Der gebürtige Berliner Rüchel kam nach Stationen beim Sender Freies Berlin und beim ZDF 1974 zum WDR und wurde Leiter des Jugendprogramms. Anfang 1976 startete er ein wöchentliches, halbstündiges Format, in dem es einmal im Monat unter dem Namen "Rockpalast" auch Live-Musik gab. Die erste reguläre Rocknacht mit Rory Gallagher, Little Feat und Roger McGuinn's Thunderbyrd stieg in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1977. Sie wurde als sechsstündige Eurovision live übertragen.

"German television proudly presents ..."

Bis 1986 versammelten sich Millionen von Rock- und Popfans in halb Europa 17 Mal nachts vor den Fernsehern und Radios. Der "Rockpalast" schrieb Fernsehgeschichte. Die viel diskutierte Anmoderation "German television proudly presents" erlangte Kultstatus.

Rock-Livekonzerte im Fernsehen in Zeiten vor MTV und Internet waren eine Sensation. Plötzlich spielten sie im heimischen Wohnzimmer: The Police, The Who, Patti Smith, Mothers Finest.

Bühne für Weltstars in den Startlöchern

Zu Rüchels Verdiensten gehörte, so WDR-Intendant Buhrow, dass er nicht nur etablierten Größen, sondern auch kommenden Weltstars ein Forum gegeben hatte, darunter U2 im Jahr 1981 oder R.E.M. vier Jahre später.

Auch die US-amerikanische Bluesrock-Band ZZ-Top wurde 1980 erst durch ihre Show im "Rockpalast" dem europäischen Publikum bekannt. "Die kannte hier keiner, da passierte etwas, als die dort auftraten", berichtet Peter Sommer, Rüchels Nachfolger in der "Rockpalast"-Redaktion.

Internationale Maßstäbe gesetzt

Im Laufe der Jahre setzte der "Rockpalast" internationale Maßstäbe bei Liveübertragungen von Rock- und Popkonzerten im Fernsehen. Die letzte große Rocknacht wurde im März 1986 gefeiert, BAP mit Wolfgang Niedecken holten Rüchel auf die Bühne und sangen gemeinsam "Verdamp lang her". Rüchel ging 2003 in Rente, blieb dem "Rockpalast" aber stets verbunden.

Rockpalast Erfinder Peter Rüchel gestorben

WDR 3 Resonanzen 20.02.2019 07:00 Min. Verfügbar bis 20.02.2020 WDR 3

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WDR-Intendant Buhrow sagte, jeder, der sich für Rockmusik interessiert, kenne den "Rockpalast". Viele seien mit ihm aufgewachsen. Dass Rüchels Werk weiterleben, "um nicht zu sagen weiterrocken und seine Gültigkeit behalten wird, ist ein tröstlicher Gedanke". Peter Sommer ergänzt: "Rüchels Vermächtnis ist die Liebe zur Musik."

Stand: 20.02.2019, 19:08

Kommentare zum Thema

21 Kommentare

  • 21 Alfons 21.02.2019, 18:54 Uhr

    Leider wird oft vergessen, dass es zwischen 82 und 86 auch eine Rockpalast Radio Show gab, moderiert zunächst im Wechsel mit Alan Bangs, später einmal wöchentlich von Peter Rüchel. Ich als "Nachgeborener" , der für die frühen Rocknächte noch zu jung war, habe vor allem auch durch diese Sendung viel Musik kennen- und schätzen gelernt. In jeder Sendung lief mindestens ein Springsteen-Song, ansonsten viel Musik von Leuten, die man gern im Rockpalast gehabt hätte, wenn sie denn gewollt hätten: Dylan, Clapton, Stones, .Bob Seeger ...... Man hörte in dieser Sendung vor allem, welche der Rockpalast Bands Rüchel mehr schätzte als andere; zu seinen persönlichen Favoriten gehörten z.B. Little Feat, Mink de Ville, Little Steven, Van Morrison, Prince, Joe Jackson oder Rory Gallagher. Man kann über den Rockpalast denken, was man will, und auch wenn es nicht immer funktioniert hat, King Sunny Ade live in einer Eurovisions-Sendung auftreten zu lassen, dazu gehörte schon verdammt viel Mut. R.I.P.

    Antworten (2)
    • thonor 21.02.2019, 19:53 Uhr

      Du sprichst mir aus der Seele. Gerade diese Nachtradiosendungen habe ich geliebt. Springsteen kam fast immer.

    • Hans 22.02.2019, 08:44 Uhr

      Einfach mal bei Spotify "Rockpalast - I've lost my mind in Essen" eingeben. Da gibt es eine schöne Playlist.

  • 20 Thonor 21.02.2019, 18:29 Uhr

    Da geht wieder jemand mit dem ich groß geworden bin. Niemand hat mich im Radio und Fernsehn in den Siebzigern so gefangen und mir viel gute Musik nahe gebracht. Prince, Springsteen ... alle habe ich durch ihn kennen gelernt. Nun hoffe ich, er ist bei all den großen Musikern, die schon gegangen sind, und die er so geliebt hat.

  • 19 Webster 21.02.2019, 12:27 Uhr

    Die Rockpalastnächte in der Grugahalle ware die Besten. Das war noch Mucke vom Feinsten.

  • 18 togo 21.02.2019, 09:03 Uhr

    Ja, ein toller Typ. Und da war Musik im TV auch noch ein Wert. Unter Tom Buhrow ist sie - trotz aller Lippenbekenntnisse - leider zusammengestrichen und auf unmögliche Sendeplätze verbannt worden! Peter Rüchel fände das nicht gut...

  • 17 Walter M. Felkel 21.02.2019, 08:52 Uhr

    Eine der sehr wenigen Lichtgestalten des deutschen Fernsehens hat die Welt für immer verlassen. Seine Erfindung des Rockpalastes war eins der Highlights des Fernsehens, einfach herausragend ! Die Rocknächte, mit dem direkten Liveton in Stereo als Radioübertragung, werden mir unvergesslich bleiben. Herr Rüchel hat viele Bands, die bis zur Rockpalastnacht, vielen Zusehern und Zuhörern unbekannt waren, vorgestellt. Wer kannte schon z.B. Little Feet, Mothers Findest, UB 40 und einige andere ? Abgesehen von Van Morrison, BAB, Little Steven oder Mitch Rider um nur einige der Weltstars zu nennen, waren einem breiten Publikum schon bekannt.Es ist sehr bedauerlich, daß nicht nur dem Fan, sondern auch der nachfolgenden Generationen ein solches Spektakel vorenthalten wird. Ruhe im Frieden Peter Rüchel und grüß Brian, Janis, Jimi, Jim und alle anderen denen wir gute Musik verdanken

  • 16 Howard 21.02.2019, 08:39 Uhr

    Es gab im deutschen Fernsehen zwei große eigenständige Innovationen: "Wetten dass" und die Rocknächte; mit Rocknächte meine ich die Live-Sendungen in der ARD zwischen 1977 und 1986. Gestern habe ich in einer Anmoderation auf WDR 3 gehört, der Rockpalast sei eine Art Vorläufer von MTV gewesen. Nein, das war er nicht. Die Rocknächte haben eine Energie ins Fernsehen gebracht, die nur Leute fühlen können, die selbst viele Rockkonzerte gesehen haben. Populäre Musik war in den 70er und frühen 80er Jahren komplett anders als heute. Es waren, wie man so schön sagt, ganz andere Zeiten. Diese Zeiten haben die Rocknächte perfekt abgebildet. Danke Peter, vor allem für die wunderbaren Konzerte von The Who und Van Morrison. R.I.P.

  • 15 Andreas Berger 21.02.2019, 07:52 Uhr

    Nächte damit verbracht mit dem Kassettenrekorder mal nicht die Mainstream-Musik aufzunehmen.Es war wundervoll.Musik die mich bis heute prägt.Dank Peter (und auch Allan).Wenn ich jetzt Danke sage, schäme ich mich auch dafür dies nicht zu seinen Lebzeiten gemacht zu habe. Dennoch Danke Herr Rüchel und mein aufrichtiges Beileid an die Angehörigen.

  • 14 Uwe Schmalz 21.02.2019, 00:30 Uhr

    Ein unendliches Danke, lieber Peter, für viel mehr als nur Musik. Hast nicht nur mein Leben schöner gemacht, sondern auch zwei Generationen maßgeblich mit Rockmusik angesteckt. Wir werden Dich wahrlich nie vergessen und oft von Dir sprechen. Du bleibst der Häuptling unsere gern gelebten ewigen Jugend. Mein aufrichtiges Beileid der lieben Familie und allen Angehörigen.

  • 13 Rainer Kipka 20.02.2019, 23:26 Uhr

    Ich bin mit dem Rockpalast groß geworden. März 86 die letzte große Rocknacht "Verdamp lang her", dass muß man erlebt haben und ich stand ca 5 m von der Bühne entfernt und bekomme immer noch Gänsehaut. RIP Peter und rock den Himmel!!!!!

  • 12 Ralph 20.02.2019, 23:19 Uhr

    Ach, die langen Rocknächte. The Who and The Grateful Dead. Ich war nach der Wende erstaunt, wieviele Deadheads es in der DDR gabe, durch diese besondere Rocknacht! Ich verneige mich vor deiner Lebensleistung, Peter!

  • 11 Martin Sobkowiak 20.02.2019, 22:52 Uhr

    Lieber Peter, vielen Dank fuer die vielen guten Rocknaechte. Du hast meine Musik fuer immer beeinflusst. Ohne Rockpalast waer ich nicht, was ich heute bin und hoer. Im Himmel sind schon viele aus den guten alten Zeiten, mach's nochmal!! German Television proudly present, Liebe Freunde, heute zu Gast im Rockpalast....

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