Osterholz bleibt – voraussichtlich nicht: Waldrodung zulässig

Streit um Wald in Vohwinkel: Muss das Osterholz dem Kalkwerk weichen? Lokalzeit Bergisches Land 29.12.2021 28:28 Min. Verfügbar bis 29.12.2022 WDR Von Rüdiger Knössl

Osterholz bleibt – voraussichtlich nicht: Waldrodung zulässig

Rund 1.500 Bäume im Osterholz in Wuppertal-Vohwinkel sollen einer Abraumhalde weichen. Das Oberverwaltungsgericht hatte die Pläne für zulässig erklärt. Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Aktivisten scheinen vorprogrammiert.

Der Betreiber des Kalksteinbruchs hatte bereits angekündigt, zeitnah mit der Abholzung zu beginnen. Derweil bereiten sich im Osterholz Baumbesetzer auf die mögliche Räumung ihres Lagers durch die Polizei vor. Die hatte sich am Montag (10.01.2022) bereits einmal umgesehen, um sich auf die geplante Rodung vorzubereiten. Einige so genannte "Waldbesetzer" wollen das Vorhaben aber um jeden Preis verhindern.

Und so könnte das Bergische Land schon bald seinen eigenen 'Hambacher Forst' bekommen.

Demonstration gegen Osterholz-Rodung

Einen Tag vor Silvester hatte das Oberverwaltungsgericht in Münster in einem Beschluss mitgeteilt, dass die Rodung zulässig ist. Etwa 500 Menschen hatten dagegen am Sonntag (02.01.2022) demonstriert. Es sei ein Skandal, dass das Gericht die Abholzung der alten Baumbestände als nicht klimarelevant einstuft, sagte eine Sprecherin der Bürgerinitiative. Seit über zwei Jahren kämpfen Anwohner, Aktivisten und Baumbesetzer für den Erhalt des Waldstückes.

Protestierende im Osterholz

Baumschützer im Osterholz

Selbst eine Wiederaufforstung könne das ökologisch wertvolle Waldstück nicht ersetzen. Eine Anwohnerin will jetzt beim Bundesverfassungsgericht gegen die Genehmigung der Rodung vorgehen.

Gericht bestätigt Osterholz-Rodung

Die andere Interessenseite: Die Kalkwerke Oetelshofen. Die Firma will dort Sand, Lehm und Erdreich aus der Kalksteingewinnung anhäufen. Der Wald müsste dafür entsprechend weichen. Die Bezirksregierung hatte das bereits längst genehmigt, die Kalkwerke von einer Rodung aber bislang abgesehen, um die Entscheidung des Gerichts abzuwarten.

Mit dem Beschluss des OVG ist für das Kalkwerk die letzte selbst gesetzte Hürde gefallen, mit der Rodung zu beginnen. Ein Grundstückseigentümer nahe der Halde hatte zuvor auf juristischem Weg versucht, die Arbeiten zu verhindern – vergeblich.

Ende Mai hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf die Beschwerde des Eigentümers in einem Eilbeschluss abgewiesen. Das Oberverwaltungsgericht folgte kurz vor dem Jahreswechsel dem Beschluss des Gerichts in Düsseldorf.

Alternativen gescheitert

Marjolein Schüter von der Bürgerinitiative "Osterholz bleibt"

Marjolein Schüter, Bürgerinitiative "Osterholz bleibt"

Noch am Abend vor der Entscheidung im Dezember hatte es im Osterholz einen Ortstermin mit Umweltschützern und Aktivisten gegeben. "Jeder Mensch, der ein bisschen Vernunft hat, der muss sagen: Das kann nicht sein. Für eine Abraumhalde können wir keinen gesunden Mischwald roden!", sagte Marjolein Schüter von der Initiative "Osterholz bleibt" beim Termin am Mittwoch.

Der Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Schneidewind

Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister von Wuppertal

Ein runder Tisch, an dem die Konfliktparteien gemeinsam eine Lösung finden wollten, war zuvor gescheitert. Es habe sich herausgestellt, "dass das, was als Alternativen diskutiert wird, entweder rechtlich oder ökonomisch sich nicht umsetzen lässt", so Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Er bezeichnete die Situation für ihn als Grünen-OB als"extrem belastend".

Aktivisten kündigen Widerstand an

Wann die Rodung im Wald beginnt ist noch unklar. Das Unternehmen wollte sich auf WDR-Anfrage nicht äußern. Theoretisch könnten die Kalkwerke sofort beginnen. Dass das ohne Gegenwehr der Bewohner des Protestcamps passiert, ist jedoch äußerst unwahrscheinlich. Sie hatten schon im Vorfeld bei einer möglichen Rodung Widerstand angekündigt und wollen den Teils bis zu 130 Jahre alten Baumbestand weiter schützen.

Stand: 12.01.2022, 13:13