Fußgänger haben in Wuppertal eine Lobby

Wuppertaler Verein will Verkehrswende für Fußgänger Lokalzeit Bergisches Land 03.02.2020 06:00 Min. Verfügbar bis 03.02.2021 WDR Von René Rabenschlag

Fußgänger haben in Wuppertal eine Lobby

Von René Rabenschlag

  • Ortsgruppe einer bundesweiten Fußgängerlobby
  • Kritik an zugeparkten Gehwegen
  • Stadt Wuppertal in der Zwickmühle

Die älteste Form der Mobilität hat in Wuppertal jetzt eine Lobby: Fußgänger. Im Dezember hat sich die Ortsgruppe von "Fuss e.V." gegründet. Das ist ein Verein, den es in Deutschland schon seit vielen Jahren gibt, jetzt aber eben mit Menschen aus Wuppertal, die sich für Fußgängerrechte engagieren. Denn da drückt der Schuh gewaltig.

Kinder sehen hier nichts außer der Motorhaube

Füße der Ortgruppe

Wir begleiten Thorsten Niebuhr und Frank ter Veld bei einem Spaziergang durch die Nordstadt von Wuppertal-Elberfeld. Von der Marienstrasse geht es in Richtung Luisenviertel. Schon an der ersten Straßenecke zeigt Niebuhr als Sprecher von "Fuss e.V." Wuppertal, worum es ihnen geht: Die Einmündungen sind dicht zugeparkt. Die offizielle Entfernung von fünf Metern zur Einmündung hält kaum ein Autofahrer ein. "Aus der Perspektive eines Kindes sieht man hier gar nichts mehr außer Motorhaube", sagt Niebuhr.

Gehwege sind zugeparkt

Weiter geht´s im Gänsemarsch über den Bürgersteig. Doch vom Gehweg ist an vielen Stellen kaum etwas übrig. Autos und Lieferwagen parken praktisch überall mit zwei Rädern darauf. Obwohl eine Politesse in der Nähe unterwegs ist, bekommt keines der Autos ein Knöllchen. Das kritisieren die Mitglieder des Fußgängervereins, denn oft bleibt nicht mal ein halber Meter Platz.

Stadt toleriert Verstöße

Ampel

Mit einer offiziellen Aussage tut sich die Stadt Wuppertal schwer. Das Thema scheint sogar ein wahres Politikum zu sein, denn verkehrsrechtlich wäre die Stadt gezwungen die PKW Fahrer zu verwarnen. Weil die Straßen aber zu eng sind, um sie an beiden Seiten zu beparken, müssten einseitig Halteverbote ausgewiesen werden – auch für die Rettungsfahrzeuge. Bei den Anwohnern der engen Straßenschluchten würde die Durchsetzung solcher Regelungen sicher für einen Aufschrei sogen.

Lobby für Fußgänger

Der neue Ortsverband des Vereins "Fuss e.V." versteht sich deshalb als Lobby für Fußgänger. Man wolle mittelfristig für Verbesserung sorgen. Die Mitglieder sind überzeugt, dass viel mehr Menschen in Wuppertal zu Fuß gehen würden, wenn die Wege attraktiv seien. Das sehe man an Wochenenden sehr positiv auf der Nordbahntrasse. Kritik äußert der Sprecher auch an den geplanten sogenannten klimafreundlichen, smarten Ampelschaltungen.

Die "grüne Welle" für Autos sorge zwar für weniger Schadstoffe durch anfahrende Autos, aber längere Wartezeiten an den Fußgängerüberwegen. Hier werde mit moderner Technologie eine Verkehrspolitik der 1970er Jahre verfolgt, so Niebuhr.

Stand: 03.02.2020, 14:43

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