Verkehrswende kann in der Region Aachen nur durch intensiven ÖPNV-Ausbau gelingen

Stand: 03.11.2021, 19:36 Uhr

Mehr Menschen in Bus und Bahn zu bringen – das gelingt in erster Linie durch ein besseres ÖPNV-Angebot und nicht durch niedrigere Fahrpreise. Das zeigt ein aktuelle Studie.

Der Aachener Verkehrsverbund AVV hat das Gutachten in Auftrag gegeben und heute die Ergebnisse vorgestellt: Busse und Bahnen im AVV müssen häufiger fahren, vor allem abends und am Wochenende, und ihre Fahrtzeiten müssen kürzer werden, sagt Gutachter Stefan Weigele von Civity Management Consultants. „Ein attraktiver ÖPNV steht nicht im Stau.

Vorfahrt für Bus und Bahn - und für die Regio-Tram

Damit sie schneller werden, sollten Bus und Bahn konsequent gegenüber Autos bevorrechtigt sein, etwa durch eigene Busspuren, heißt es weiter. Für die Stadt Aachen und häufig genutzte Strecken im Umland empfiehlt der Gutachter ein so genanntes "schienengebundenes Verkehrsmittel". Ein solches Projekt ist bereits in Planung: die sogenannte Regio-Tram zwischen Aachen und dem Umland, gedacht vor allem für Berufspendler.

Neue Finanzierungs-Instrumente denkbar

Die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr sind immens. Würde der AVV sein bestehendes Angebot im Raum Aachen-Düren-Heinsberg um 25 Prozent ausbauen, würde der Finanzierungsbedarf um 40 Millionen Euro auf 110 Millionen Euro steigen. Dieser Betrag wäre also nicht durch Einnahmen gedeckt.

Der Gutachter macht mehrere Finanzierungsvorschläge. Sie könnten allerdings nur umgesetzt werden, wenn das Land dafür die rechtlichen Voraussetzungen schafft. Vorgeschlagen wird zum Beispiel, eine Bürgerabgabe oder einen Arbeitgeberbeitrag für den öffentlichen Nahverkehr einzuführen. Das würde jedes Jahr viele Millionen Euro bringen, mit denen die Betriebskosten bezahlt werden könnten.

Preissenkungen bringen wenig

Von Tarifabsenkungen, wie sie in politischen Ausschüssen immer wieder diskutiert werden, hält der Gutachter nichts. Die Kosten seien hoch, der Zugewinn an Fahrgästen aber vergleichsweise niedrig. Der Fahrpreis sei nicht das entscheidende Kriterium, warum Leute nicht mit dem Bus fahren, sondern die fehlende Attraktivität des Angebots im öffentlichen Nahverkehr. Es gehe darum, neue Nutzer zu gewinnen.

Das Gutachten soll mithelfen, die richtigen Entscheidungen zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und für eine Verkehrswende zu treffen.