Bayer-Hauptversammlung online: Konzern trotzt der Corona-Krise

Bayer-Hauptversammlung online: Konzern trotzt der Corona-Krise

Von Ute Schyns / Victor Fritzen

  • Bayer trotzt Corona-Krise - sieht aber Risiken
  • Hauptversammlung wegen Corona nur online
  • Premiere für einen DAX-Konzern
  • Keine Lösung im Glyphosat-Streit

Die Corona-Pandemie hat dem Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer bisher wenig anhaben können, dennoch sieht Konzernchef Werner Baumann Risiken. "Wir stecken mitten in einer Krise, deren weiterer Verlauf derzeit nicht abgeschätzt werden kann", sagte der Manager auf der Hauptversammlung am Dienstag (28.04.2020).

Vorstand wird entlastet

Baumann betonte, für den Konzern komme es in den nächsten Monaten entscheidend darauf an, die "Lieferketten so widerstandsfähig wie möglich zu halten" und damit den Geschäftsbetrieb zu sichern. Wegen der Pandemie wurde das Aktionärstreffen erstmals komplett online durchgeführt. Das hatte es zuvor bei einem Dax-Konzern noch nicht gegeben.

Der Vorstand wurde mit 92,6 Prozent Ja-Stimmen entlastet, wie der scheidende Aufsichtsratschef Werner Wenning nach der Auszählung der Stimmen berichtete. Bei der Hauptversammlung 2019 hatte eine Mehrheit der Anteilseigner dem Vorstand wegen der umstrittenen Übernahme des US-Konzerns Monsanto überraschend die Entlastung verweigert.

Warum online?

Proteste gegen Bayer am Rande der Hauptversammlung

Vor Corona: Protest gegen Bayer

Normalerweise ist eine Hauptversammlung eine Präsenz-Veranstaltung, bei der die Aktionäre physisch mit Vorstand und Aufsichtsrat zusammen treffen. Das war bisher gesetzlich so vorgesehen. Prinzipiell hatte jeder Aktienbesitzer das Recht, auf der Hauptversammlung von seinem Stimm- und Rederecht Gebrauch zu machen. Bei der sogenannten Generaldebatte können Aktionäre dem Management die Meinung sagen.

Doch die Corona-Pandemie hat dem vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wegen des neuen Virus hat die Bundesregierung ein Gesetz geschaffen, das es ermöglicht, Hauptversammlungen ins Netz zu verlagern.

Was bedeutet das für die Bayer-Hauptversammlung?

Die Aktionäre mussten ihre Fragen vorab einreichen - und es ist nicht sicher, dass auch jede Frage beantwortet wird. Ingo Speich von Deka Investment ist von einer Online-Hauptversammlung wenig begeistert. "Das ist aus Sicht der Aktionäre sehr unbefriedigend." Diese hätten im Prinzip nur die Möglichkeit, der Hauptversammlung zuzuhören." Auch Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sieht darin viele Nachteile: "Sie haben keinen Austausch mit dem Vorstand. Die Aktionäre können ihre Power, die sie haben, gar nicht ausspielen."

Bayer zufolge gingen 245 Fragen von 40 Anteilseignern ein. Das waren eigentlich nicht viel weniger als bei der "normalen" Hauptversammlung 2019, als sich 69 Aktionäre mit 276 Fragen zu Wort meldeten.

Wie geht es dem Bayer-Konzern?

Einsatz von Glyphosat in Illinois (USA)

Baustelle Glyphosat

Die Geschäfte sind bei Bayer im vergangenen Jahr recht ordentlich gelaufen. Auch das Ergebnis fürs erste Quartal 2020 lief überraschend gut – besonders im Agrar- und Pharmabereich. Der Konzern verdiente unter dem Strich ein Fünftel mehr als noch vor einem Jahr. Die Corona-Pandemie habe in einigen Bereichen zu einer höheren Nachfrage geführt, auch weil Medikamente und zum Beispiel Vitamin-Präparate auf Vorrat gekauft wurden. Doch wie sich die Pandemie auf die Geschäfte in diesem Jahr insgesamt auswirken wird, dazu könne Bayer keine verlässliche Prognose vorlegen, hieß es.

Wie entwickeln sich die Glyphosat-Klagen?

Nach wie vor bleibt der Rechtsstreit wegen angeblicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat Bayers größte Baustelle. Bis Mitte April ist die Zahl der Klagen laut Bayer auf etwa 52.500 gestiegen. Das milliardenschwere Rechtsrisiko hat sich der Konzern mit der Übernahme des umstrittenen Saatgutherstellers Monsanto ins Haus geholt. Viele Experten hatten erwartet, dass sich Bayer bis zur Hauptversammlung mit den Klägern in einem Vergleich geeinigt haben könnte. Der könnte Schätzungen zufolge um die 10 Milliarden US-Dollar kosten. Das Verfahren habe sich jedoch wegen der Corona-Pandemie verlangsamt, hieß es von Bayer.

Stand: 28.04.2020, 18:07