Schwere Vorwürfe: Paketdienste sollen Obdachlose ausbeuten

Paketbote Liefern Pakete vor Weihnachten

Schwere Vorwürfe: Paketdienste sollen Obdachlose ausbeuten

  • Düsseldorfer Obdachlosenhilfe erhebt Vorwürfe gegen Paketdienste
  • Subunternehmer sollen gezielt Wohnungslose rekrutieren und schlecht bezahlen
  • Betroffenes Unternehmen will Vorwürfen nachgehen

"Einige Paketboten schlafen sogar in ihrem Auto", sagt Julia von Lindern von Fiftyfifty. Denn von ihrem Gehalt könnten sie sich oftmals keine Wohnung leisten – auch dann nicht, wenn sie Vollzeit arbeiten, erzählt die Sozialpädagogin. Sie vermutet, dass viele Unternehmen mit Tricks den Mindestlohn unterwandern.

Viele der betroffenen Paketboten kämen aus dem EU-Ausland. Weil die Wohnungen in Düsseldorf für sie unerschwinglich seien, blieben sie meist bei der Obdachlosenhilfe postalisch gemeldet. "Die holen dann hier regelmäßig ihre Lohnabrechnungen ab", sagt von Lindern. Viele kämen in der Arbeitskleidung ihrer jeweiligen Paketdienste, unter anderem der von Hermes.

150 unbezahlte Überstunden

Dem WDR liegen mehrere Arbeitsverträge von Boten vor, die über Subunternehmen für Hermes fahren. Einer der Verträge sieht ein Überstundenkonto vor, das bis zu 150 Stunden Mehrarbeit ohne Bezahlung ermöglicht.

Julia von Lindern, see red!

Julia von Lindern kümmert sich um Obdachlose in Düsseldorf

Die Gehaltsbescheinigung eines weiteren Fahrers weist für einen Monat lediglich einen Brutto-Verdienst von 600 Euro auf. "Und dieser Mann gibt an, Vollzeit gearbeitet zu haben", sagt von Lindern. Bei seinem Arbeitgeber beschwert habe er sich trotzdem nicht – aus Angst und weil sein Deutsch zu schlecht sei.

Betrogene klagen selten

Kein Einzelfall für Markus Tönjann. Der Düsseldorfer Fachanwalt für Arbeitsrecht hat beobachtet, dass Menschen, die um ihren Mindestlohn betrogen werden, diesen nur selten einklagen. "Der Gesetzgeber hat hier zu viele Hürden geschaffen", sagt Tönjann. Die bürokratischen Hürden und die Angst vor hohen Prozesskosten, würden viele abschrecken.

Hermes will Subunternehmer genau prüfen

Die Firma Hermes reagierte zunächst überrascht auf die Anschuldigungen von Fiftyfifty. "Das ist ein No-Go", sagte ein Hermes-Sprecher dem WDR. Man wolle die Vorwürfe aufarbeiten. Einem der Subunternehmen sei in Folge einer jährlichen Überprüfung bereits zu Ende Oktober gekündigt worden.

Stand: 16.11.2018, 12:11