NSU-Nebenklageanwalt vor Gericht

NSU-Nebenklageanwalt vor Gericht

Am Freitag hat vor dem Aachener Landgericht der Prozess gegen einen Anwalt aus Eschweiler begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Betrug, versuchten Betrug und Urkundenfälschung vor.

Am 1. Prozesstag vor dem Landgericht hat der angeklagte Anwalt aus Eschweiler von seinem Recht zu Schweigen Gebrauch gemacht. Der 52-Jährige soll im NSU-Prozess ein Opfer vertreten haben, das es gar nicht gibt. Der Anwalt ist vor Gericht mit einer schwarzen Gesichtsmaske erschienen. Während Kamerateams und Fotografen ihre Bilder machten, blickte er auf den Boden, wirkte aber sonst entspannt. Die Staatsanwaltschaft hat die Anklageschrift verlesen.

Nicht existierendes Opfer

Mehr als zwei Jahre soll der 52 Jahre alte Anwalt laut Anklage vor dem Oberlandesgericht München Meral Keskin vertreten haben. Eine Frau, die angeblich 2004 bei einem Nagelbombenanschlag der rassistischen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund in der Kölner Keupstraße schwer verletzt worden war. Als das Oberlandesgericht Meral Keskin dann als Zeugin vorladen wollte, stellte sich aber heraus: Die Frau existiert gar nicht.

Hohe Summen für Prozessteilnahme erhalten

In dieser Zeit hatte der Angeklagte aber an 230 Sitzungen des Oberlandesgerichts München teilgenommen. Dafür hatte ihm der Staat rund 200.000 Euro gezahlt – Sitzungskosten und Fahrtkosten.

Auch wegen Nebenklagevertretung im Loveparade-Prozess angeklagt

Der 52-Jährige aus Eschweiler ist auch noch wegen eines anderen Falles angeklagt. Er soll laut Anklage im Prozess um die Loveparade-Katastrophe vor dem Landgericht Duisburg versucht haben, ein vermeintliches Opfer der Techno-Party zu vertreten. Dabei soll ihm nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber bekannt gewesen sein, dass der Mann eine Krankheit als Folge der Loveparade-Katastrophe nur vorgetäuscht hatte.

Stand: 07.08.2020, 12:59