Diskussion um NS-Gedenkstätte in Solingen

Diskussion um NS-Gedenkstätte in Solingen

Von Rita Jäger

  • Solinger Bürger wollen NS-Gedenkstätte am Neumarkt
  • Stadtsparkasse will historisches Gebäude abreißen
  • Stadt will sich nicht äußern

In Solingen hat eine Bürgerinitiative für eine NS-Gedenkstätte einen großen Unterstützerkreis um sich versammelt (24.04.2019). Darunter der Jugendstadtrat, der evangelische Kirchenkreis und der Caritasverband.

Der "Arbeitskreis Verfolgung und Widerstand Solingen 1933-1945" möchte, dass am Solinger Neumarkt eine Gedenk- und Bildungsstätte zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus entsteht. Ausgerechnet dort will aber die Solinger Stadtsparkasse ihre neue Hauptstelle bauen und dafür eine ganze Häuserzeile einschließlich des geschichtsträchtigen Gebäudes am Neumarkt 23 abreißen.

Geschichtsträchtiges Gebäude

Straßenschild: Max-Leven-Gasse

Die Befürworter der Gedenkstätte haben bereits einen Antrag auf Denkmalschutz gestellt, der derzeit geprüft wird. Im Haus am Neumarkt 23 befand sich die Redaktion der kommunistischen Zeitschrift "Bergische Arbeiterstimme". In einem anderen Haus im selben Gebäudekomplex wurde in der Reichspogromnacht 1938 Max Leven, Kulturredakteur der Zeitschrift, in seiner Wohnung von den Nationalsozialisten ermordet. Der Sozialist soll Namensgeber der Gedenk- und Bildungsstätte in den ehemaligen Redaktionsräumen der "Bergischen Arbeiterstimme" werden.

 Nur wenige historische Orte erhalten

Das Haus, in dem sich die Redaktion der Zeitschrift befand, sei einer der wenigen historisch authentischen Orte, die es in Solingen noch gebe, so Daniela Tobias vom Arbeitskreis. Das erhöhe die Chancen auf Fördermittel, die eine langfristige Finanzierung einer NS-Bildungsstätte sicherstellen könnten.

Erinnerung in Solingen wichtig

Vor allem junge Menschen könnten dort lernen, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht irgendwo in Deutschland passierten, sondern in ihrer Stadt von Solingern verübt wurden, sagt Daniela Tobias und erinnert an den Brandanschlag auf die Familie Genc vor 25 Jahren: "Gerade in Solingen wissen wir doch, was geschehen kann, wenn rechtes Gedankengut wieder hochkommt."

Schweigen bei Stadt und Sparkasse

Weder die Solinger Stadtverwaltung noch die Geschäftsführung der Stadtsparkasse waren zu einem Interview zum Thema bereit. Schriftlich teilt die Pressestelle der Sparkasse mit, dass die geschichtlichen und politischen Hintergründe angemessen in baulicher Form bei dem Neubau gewürdigt werden sollen. Das sei Bestandteil des Architektenwettbewerbs.

Stolpersteine erinnern an Familie Leven

Bereits im Jahr 1979 wurde in Solingen die Straße, in der die Familie Leven gelebt hatte, nach Max Leven benannt. 2004 wurden dort außerdem "Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig verlegt.

Runder Tisch soll Klarheit bringen

Für den 04. Mai 2019 haben die Initiatoren des Arbeitskreises Vertreter der Stadt, der Sparkasse und Politiker zu einem runden Tisch eingeladen. Auch interessierte Bürger sind eingeladen.

Stand: 24.04.2019, 17:49