Trockenheit in NRW bedroht Baumbestand in den Städten

Frank Schmitz bewässert einen Baum an einer Straße

Trockenheit in NRW bedroht Baumbestand in den Städten

Von Friederike Müllender

  • Der Deutsche Wetterdienst bestätigt besonders trockenes Frühjahr
  • Die Stadt Brühl setzt auf zukunftsfähige Bäume
  • Anwohner sollen aufs richtige Gießen achten

Der Deutsche Wetterdienst stellt am Freitag (29.05.2020) seine vorläufige Frühjahrsbilanz vor, auch in NRW zeigt sich, wie trocken die vergangenen Wochen waren. Den Meteorologen zufolge haben wir schon jetzt eine Situation, wie sonst eigentlich erst nach einem trockenen Sommer. Besonders betroffen ist der Niederrhein. Kaum ein Ort in NRW erreichte überhaupt die Hälfte der langjährig gemittelten Regenmengen.

Um den Baumbestand in der Stadt zu retten, ist Frank Schmitz von der Stadt Brühl aktuell regelmäßig im Einsatz auf dem Fahrersitz des Bewässerungs-Lkw. Um etwa 180 Bäume muss er sich dabei jede Woche aufs Neue kümmern. Im Fokus stehen dabei vor allem die jungen Bäume bis zum vierten Standjahr, ältere Bäume haben in der Regel ein gut entwickeltes Wurzelsystem und schaffen es ohne zusätzliche Wässerung.

Besonders junge Bäume leiden unter der Trockenheit

Laut der Stadt Brühl sei eine Wässerung aller Bäume logistisch sowieso nicht möglich. Die Städte Leverkusen und Issum setzen außerdem auf spezielle Säcke aus Kunststoff, die mit Wasser befüllt werden können und die das Wasser dann über einen längeren Zeitraum an den Boden abgeben.

Pro Gießgang bekommen die jungen Bäume dabei 150 bis 200 Liter Wasser, gut zehn Minuten ist Frank Schmitz pro Baum beschäftigt. Jedes Mal muss er seinen Lkw verlassen und den schweren Wasserschlauch ausrollen, bevor es los gehen kann.

Schweißtreibende Gießarbeiten

Frank Schmitz macht seine Arbeit gerne. "Man tut ja etwas Gutes und zwar nicht nur den Bäumen, sondern auch den Bürgern." Immer wieder winken ihm Menschen zu oder recken ihren Daumen in die Höhe, Anerkennung für seine Arbeit. "Manchmal werde ich aber auch gefragt, ob ich nicht auch mal eben den Vorgarten Wässern könnte - das geht leider nicht."

Um in Zukunft besser für solche Trockenheit gerüstet zu sein, setzt die Stadt Brühl bei Neupflanzungen auf Bäume, der sogenannten "Zukunftsbaumliste Düsseldorf", die mit der Entwicklung des Klimas gut zurechtkommen. Als Unterpflanzung sollen in Zukunft vor allem Stauden genutzt werden, die Nahrung bieten sollen für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten.

Auch Anwohner können helfen

Aktuell brauchen vor allem die jungen Bäume zusätzliches Wasser, am einfachsten erkennt man die an ihrem Stamm: Ist der nicht viel dicker als ein Arm, oder ein Oberschenkel, sind sie wahrscheinlich nicht älter als vier Jahre. Wichtig ist dabei, ausreichend zu gießen: Pro Tag 30 bis 50 Liter und das am besten am Morgen oder am Abend, dann wenn die Sonne nicht mehr so stark scheint und das Wasser nicht direkt wieder verdunstet.

Extreme Trockenheit: Was jeder für Bäume tun kann

  • junge Bäume gießen - mit 30 bis 50 Litern pro Tag
  • ältere Bäume brauchen deutlich mehr Wasser und damit Profi-Hilfe (z.B. von der Feuerwehr)
  • am Morgen oder Abend gießen, nicht in der Mittagshitze
  • Beete um die Bäume anlegen (teilweise in Absprache mit der Stadt), das reduziert die Verdunstung.

Stand: 29.05.2020, 06:00