Neuss testet verkehrsabhängige Beleuchtung

Eine Straßenlaterne leuchtet in der Nacht

Neuss testet verkehrsabhängige Beleuchtung

Von Doro Blome-Müller

  • Neuss testet verkehrsabhängige Beleuchtung
  • Knapp 50 Prozent weniger Energie benötigt
  • Anlage für den Stadtgarten geplant

In Neuss soll es bald mehr verkehrsabhängige Beleuchtungsanlagen geben. Sie haben nach Ansicht von Verwaltung und Politik gleich mehrere Vorteile: Sie benötigen 50 Prozent weniger Energie als herkömmliche Straßenlampen und sparen damit Geld. Gleichzeitig können so Ecken beleuchtet werden, die sonst wegen geringem Verkehrsaufkommen ganz abgeschaltet blieben.

Bewegungsmelder steuern Dimmer

Solche Anlagen arbeiten mit Sensoren, die wie Bewegungsmelder funktionieren. Nähert sich ein Fußgänger, Radfahrer oder Auto reagieren sie und die Laterne geht an - beziehungsweise wird heller. Ist der Mensch vorbei, dimmt sie sich wieder herunter.

Gleichzeitig kommunizieren die Laternenmasten miteinander. So ist es theoretisch möglich, den Weg einer Person punktgenau zu beleuchten. Dass das gut funktioniert, hat die Verwaltung jetzt festgestellt, nachdem sie die Daten eines Jahres einer Testanlage ausgewertet hat.

Ausgleich zwischen Mensch und Natur

Man muss natürlich in Ruhe überlegen: wo macht so etwas Sinn“, sagt der Vorsitzende des Neusser Bauausschusses Sven Schümann. „Insbesondere im Neusser Stadtgarten ist das vorgesehen.“ Bei der Aufstellung eines Beleuchtungskonzepts habe der Stadtrat nämlich festgestellt, dass gerade in den Grünanlagen das Dauerlicht der Natur schadet, weshalb man dort eigentlich lieber gar nicht beleuchten würde.

Gleichzeitig sollen die Grünflächen aber keine Angsträume für diejenigen werden, die sie durchqueren. „Wir wollen einen Ausgleich schaffen zwischen Natur, die nicht ständig beleuchtet werden will, und Mensch“, so Schümann weiter. Im Stadtgarten soll ohnehin eine neue Beleuchtung installiert werden, da bietet es sich an, eine solche Anlage zu verbauen.

Bürger sollen nicht im Dunkeln tappen

Auch in anderen Bereichen der Stadt ist demnach Zug um Zug eine Umrüstung der Straßenlaternen denkbar. Etwa dort, wo derzeit aus Kostengründen die Laternen ganz abgeschaltet sind, aber trotzdem Menschen unterwegs sind. „Die sollen nicht im Dunkeln tappen“, so Schümann. Die verkehrsabhängige Beleuchtung könnte hier ein guter Kompromiss sein.

Auch andere Städte testen

Für alle Stellen ist sie aber nicht geeignet. Bestimmte Kreuzungen müssen zum Beispiel dauerhaft hell ausgeleuchtet sein - das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Und dass die Technik Tücken haben kann, obwohl sie fehlerfrei läuft, zeigt das Beispiel einer Testanlage in einem Gewerbegebiet in Münster:

Entlang der Straßen dort sind Parkstreifen. Parken dort LKW, verdecken sie den Sensoren häufig die Sicht. Und wenn die keine Bewegung registrieren, gehen die Leuchten auch nicht an.

Stand: 04.12.2019, 10:12