Bis zu 450.000 Liter versickert: Kölner Shell-Raffinerie verseucht Erdreich

Bis zu 450.000 Liter versickert: Kölner Shell-Raffinerie verseucht Erdreich

  • Ein Millimeter großes Loch in Rohrleitung
  • Ladung von mehr als 40 Tanklastern ausgelaufen
  • Shell hat Sanierung bereits eingeleitet

In der Shell Raffinerie in Köln-Godorf sind aus einer Pipeline insgesamt bis zu 450.000 Liter Dieselöl ins Erdreich gelaufen. Dass eine Pipeline undicht war, ist seit Monaten bekannt. Aber dass so viel Dieselöl versickert ist, das steht erst jetzt fest. Das haben Recherchen des WDR ergeben.

Winziges Loch als Ursache

In der Rohrleitung auf dem Gelände der Raffinerie gab es laut Shell ein Millimeter großes Loch. Durch das winzige Loch ist offenbar über Monate hinweg leichtes Dieselöl ausgelaufen. Laut den Verantwortlichen ist das ein bei der Verarbeitung von Rohöl erzeugtes Zwischenprodukt, das für die Herstellung von Diesel oder leichtem Heizöl verwendet wird.

Nach Angaben der Kölner Bezirksregierung schätzen Gutachter die Menge des ausgelaufenen Öls auf bis zu 400 Tonnen. Das ist die Ladung von mehr als 40 Tanklastern.

Shell geht nach eigenen Angaben davon aus, dass das Rohr bei "unsachgemäßen" Straßenbauarbeiten beschädigt wurde.

Sanierungsarbeiten gestartet

Die Verunreinigung im Erdreich beschränke sich nach wie vor auf das Raffineriegelände, heißt es von den Verantwortlichen. Dort arbeite man aktuell mit Pumpen daran, das Grundwasser zu reinigen.

Dafür wurde der Grundwasserspiegel innerhalb der verunreinigten Fläche bereits an zwei Stellen mit Pumpen abgesenkt. Diese Sanierungsbrunnen erzeugen einen Absenktrichter, in dem sich das auf dem Grundwasser schwimmende Ölprodukt sammelt und separat abgepumpt und entsorgt werden kann.

Die Bezirksregierung Köln will jetzt zwei weitere Sanierungsbrunnen einrichten lassen. Laut Shell werden die Grundwassermessstellen im Bereich der verunreinigten Fläche alle zwei Wochen auf Schadstoffe untersucht.

60 Jahre alte Pipeline undicht

Warum Shell den Schaden erst nach Monaten entdeckt hat, ist unklar. Der Umweltverband BUND wirft Shell vor, die Sicherheitskontrollen an Pipelines zu vernachlässigen.

Den aktuellen Schaden an der Pipeline hatte Shell nach eigenen Angaben im April zufällig entdeckt.

Stand: 22.07.2020, 11:01