Neuer Studiegang in Köln: Hembammenwissenschaft

Neuer Hebammen-Studiengang in Köln

Stand: 26.11.2021, 14:39 Uhr

In Köln kann ab sofort der Beruf der Hebamme an der Katholischen Hochschule NRW sowie an der Uni Köln in dem dualen Studiengang "Angewandte Hebammenwissenschaften" erlernt werden.

Von Judith Levold

Drei Kommilitoninnen stecken die Köpfe zusammen, natürlich mit korrekt angezogener Maske. Sie machen sich abwechselnd an das Rollenspiel "Wie lege ich einer Mutter im Wochenbett den Säugling an, welche Position ist für diese Frau am bequemsten?"

Es ist der erste Tag mit praktischen Übungen im neuen Studium zur Hebamme an der Katholischen Hochschule NRW in Köln. 45 Studentinnen werden seit diesem Wintersemester hier pro Jahr zugelassen, an der Universität zu Köln sind es - der Studiengang ist ebenfalls gerade gestartet - 25.

Deutschland ist Schlusslicht im EU-Vergleich

Als Schlusslicht in der EU setzt Deutschland mit dem Studiengang "Angewandte Hebammenwissenschaften" eine EU-Richtlinie um, die mit der Akademisierung des Berufs der Hebamme verstärkt wissenschaftliches und wissenschaftbasiertes Arbeiten in die Geburtshilfe bringen soll.

Bislang keine Bewerbungen von Männern

Neuer Studiegang in Köln: Hembammenwissenschaft

Zugangsbedingung ist die allgemeine Hochschulreife oder gleichwertige Berufsausbildung und, je nach Hochschule, ein Praktikum in der Geburtshilfe. Das Studium ist dual angelegt und wird mit einem Ausbildungsgehalt vergütet. Fast 50 Prozent des 7-semestrigen Bachelor-Studiengangs sind Praxisanteile. Dafür lernen die ausschließlich weiblichen Studierenden blockweise wochenlang in Partnereinrichtungen aus der Region: In Kliniken mit Kreißsälen, Geburtshäusern und Hebammenpraxen. Männer haben sich für den Studiengang in Köln bislang noch nicht beworben, obwohl dies möglich ist.

Vorlesungen zu juristischen Rahmenbedingungen für die Arbeit als Hebamme oder zur Forschungslage in geburtshelferischen Fragen stehen für die Studentinnen in den ersten Wochen seit Studienbeginn auf dem Programm, jetzt geht es bis Januar in die Praxis.

Neuer Studiegang in Köln: Hembammenwissenschaft

Leona Jansen studiert im ersten Semester.

"Neuem Leben auf die Welt zu helfen, ist für mich etwas ganz Besonderes, also Menschen in dieser existenziellen Situation begleiten zu dürfen", freut sich Studentin Leona Jansen, 21 Jahre alt und eine der ersten, die den Studiengang in Köln belegt haben. An fünf Hochschulen in NRW ist dieses Studium jetzt möglich, die klassische Ausbildung an Hebammenschulen läuft laut Hebammengesetz in den nächsten Jahren aus.

Studiengang soll Beruf aufwerten

Laut Deutschem Hebammenverband kann das Studium mittelfristig zu einer Aufwertung des Berufs führen: Hebammen könnten mehr Aufgaben übernehmen und dadurch tariflich höher gruppiert werden.

Landesweiter Hebammenmangel

Ziel ist auch, mit dem Studiengang mehr Nachwuchs für den Beruf der Hebamme zu gewinnen. Denn: Landesweit gibt es seit Jahren einen Hebammenmangel, sei es unter den freiberuflich tätigen Hebammen oder in den Kreisssälen der Kliniken – in den letzten zehn Jahren schlossen allein in NRW fast 50 Geburtsstationen an Krankenhäusern, während die Geburtenrate um 15% zunahm. Grund dafür ist auch der Personalmangel unter den Hebammen.