Fall Jenny Böken: Zeugen sprechen von Vergewaltigung

Fall Jenny Böken: Zeugen sprechen von Vergewaltigung

Von Thomas Wenkert

  • Vater Uwe Böken hält Mord für wahrscheinlich
  • Familie würde Exhumierung der Leiche zustimmen
  • Staatsanwaltschaft Kiel hält sich bedeckt

In diesen Tagen jährt sich zum elften Mal der Todestag von Jenny Böken. Die Kadettin aus Geilenkirchen war in der Nacht zum 4. September 2008 während einer Nachtwache auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" über Bord gegangen. Die Todesumstände sind bis heute ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat zwischenzeitlich das Ermittlungsverfahren wieder aufgenommen. 

Zeugen sprechen von Vergewaltigung 

Laut dem Anwalt der Familie Böken - Rainer Dietz - haben sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Zeugen gemeldet, die davon sprechen, dass Jenny vergewaltigt worden sei. Einige Zeugen sind Marineangehörige. Diese Aussagen würden sich mit Behauptungen decken, die eine Zeugin schon vor einem Jahr geäußert hatte. Die frühere Bundeswehrangehörige wurde im vergangenen April - nach einer geschlechtsangleichenden Operation - von der Staatsanwaltschaft Kiel vernommen. Die Zeugin hatte in einer eidesstattlichen Aussage vor der Familie erklärt, dass Jenny Böken vergewaltigt worden und schwanger gewesen sei. Sie spricht sogar von Mord. 

Familie hält Mord für wahrscheinlich 

Für die Familie von Jenny Böken spricht vieles dafür, dass ihre Tochter ermordet wurde. Sie hofft, dass die Staatsanwaltschaft Kiel konsequent ermittelt und nicht nur ein Papiertiger aufgebaut werde, um die Familie zu beruhigen. "Ich würde mir auch wünschen, dass sich die Ermittler einmal mit uns an einen Tisch setzen und gegenseitig Informationen und Hinweise ausgetauscht werden", sagt Vater Uwe Böken in einem WDR-Interview. Der Anwalt der Familie – Rainer Dietz – weist noch einmal auf zahlreiche Ungereimtheiten hin. "Es besteht der Verdacht, dass Gesundheitsakten manipuliert worden sind und dass es auch Falschaussagen gegeben hat", so der Anwalt.  

Exhumierung des Leichnams wird nicht ausgeschlossen 

In dem Interview mit dem WDR betont die Familie erneut, dass sie einer Exhumierung des Leichnams zustimmen würde, wenn dies notwendig sei. "Wir haben immer gesagt: Das Allerwichtigste für uns ist erst einmal, überhaupt zu erfahren und zu begreifen, wie unsere Tochter 2008 ums Leben gekommen ist", erklärte Uwe Böken. Seit elf Jahren kämpft die Familie um eine Aufklärung des Falles.

Jenny Böken war während einer Ausbildungsfahrt über Bord gegangen. Ihre Leiche wurde erst nach elf Tagen aus der Nordsee geborgen. Die Ermittler gingen von einem Unglück aus und stellten das Verfahren 2009 ein. Erst in diesem Sommer öffnete die Staatsanwaltschaft wieder die Akten. 

Erste Ergebnisse in acht Wochen

Auf Anfrage erklärte die zuständige Staatsanwaltschaft Kiel, dass noch Zeugen befragt werden müssten. "Für Schlussfolgerungen, ob ein Tatverdacht wegen eines Tötungsdeliktes begründet ist, ist es beim jetzigen Stand der Ermittlungen jedenfalls zu früh", heißt es auf Anfrage des WDR. Man hoffe, dass die Ermittlungen innerhalb der nächsten acht Wochen so weit fortgeschritten sind, dass eine Bewertung erfolgen kann.

Staatsanwaltschaft wieder aktiv im Fall Böken WDR aktuell 26.04.2019 00:23 Min. Verfügbar bis 26.04.2020 WDR

Stand: 02.09.2019, 05:30