In Köln werden die Straßen der Zukunft getestet

Grafik des Testareals

In Köln werden die Straßen der Zukunft getestet

Von Katja Goebel

  • Riesige Teststrecke für Straßenbauforschung am Kreuz Köln-Ost eröffnet.
  • Weltweit einmaliges Demonstrationsareal.
  • Selbstheilender Asphalt, intelligente Brücken und Simulationen im Zeitraffer.

Auf einen Kilometer erstreckt sich die Teststrecke direkt unter dem Autobahnkreuz Köln-Ost: Gleich nebenan, hinter der Schallschutzwand rauscht der Verkehr ohne Pause über die A3. Lastwagen ächzen in Sichtweite über die A4.

Hier - auf dieser ehemaligen Brache - ist in zwei Jahren ein weltweit einmaliges Areal entstanden. Hier sollen die Straßenbeläge der Zukunft getestet, neue Baustoffrezepturen und Messfahrzeuge erprobt oder extreme Verkehrsbelastung simuliert werden.

Herausforderung Verkehr

"Langlebige Bauweisen reduzieren Eingriffe in den Verkehr", sagte Christian Weibrecht vom Bundesministerium für Verkehr bei der Eröffnung des Geländes am Mittwoch (18.10.2017). Und wie sich solche Eingriffe anfühlen, kann jeder einen Steinwurf weit erleben - auf der A3 werden Baustellen für 170.000 Fahrzeuge täglich zur Geduldsprobe.

Selbstheilender Asphalt

Ein Würfel Asphalt

Magnetisch aufgeladen: Spezialasphalt

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) stellt an diesem Tag schon die ersten Zukunftsprojekte auf dem 25.000 Quadratmeter großen Gelände vor. An den kleinen Asphaltwürfeln auf einem der Infotische kommt keiner vorbei. Dies ist kein gewöhnlicher Asphalt. Der hier soll sich später selbst heilen, wenn er rissig wird.

Wie das gehen soll? Die Forscher und Ingenieure haben in den Asphalt magnetische Bestandteile gemischt. Wie beim Kochen auf einem Induktionsherd, reagiert dann die Straße, wenn eine Induktionsmaschine über sie fährt. "Sie ist sozusagen der Herd und die Straße ist der Topf. So werden die Stahlpartikel schlagartig erhitzt, der Bitum wird weicher und kleinere Risse schießen sich", erklärt Bauingenieur Bastian Wacker vom BASt das Prinzip.

Abnutzung im Zeitraffer

Graße Maschine auf einem Testgelände

Mobiler Simulator MLS30

Nur wenige Meter weiter steht ein riesiges orangefarbenes Gefährt: der Mobile Load Simulator, kurz MLS30. Damit lässt sich eine tonnenschwere Belastung des Straßenverkehrs simulieren, und zwar in einer Art Zeitraffer. Bis zu 6.000 Überrollungen pro Stunde können die Forscher damit durchspielen.

Der Dauerabrieb führt dazu, dass sich mit der Zeit kleine Steine aus der obersten Asphaltschicht lösen. Durch diese Löcher könnte zum Beispiel Wasser eindringen und den Belag zerstören. Aufwendige Reparaturarbeiten wären notwendig.

Mit dem Zeitraffer-Verfahren kann man schneller herausfinden, wann das passiert, sagt Bastian Wacker. Und dann können Straßenbauer lieber nachts mal die Induktionsmaschine die Straße weichkochen lassen, statt die Autobahn tagelang zu sperren. Zukunftsmusik natürlich, aber es klingt gut. Die Forscher erhoffen sich von der Innovation immerhin, die Straße 30 Prozent länger nutzen zu können.

Straße als Energiequelle

Teststrecke für Straßenbauforschung

BAsT-Testgelände am Kreutz Köln-Ost

Vieles hier auf dem Testgelände des BASt klingt zu schön, um wahr zu sein. Intelligente Brücken, die per Sensor kundtun, welche Wehwehchen der Verkehr bewirkt. Oder eine beheizbare Straße, die nicht nur gegen Glatteis hilft, sondern auch Wärme speichert und als Energie wieder abgibt.

Rund 13 Millionen Euro hat die Teststrecke gekostet und ist für 30 Jahre angelegt. Man wolle das "Flagschiff in der europäischen Straßenbauforschung" werden, so BASt-Präsident Stefan Strick bei der Vorstellung. Und auch Christian Weibrecht vom Bundesverkehrsministerium betonte, dass man sich hinsichtlich des immer weiter wachsenden Verkehrs intensiv kümmern müsse.

Im Hinblick auf das neue Testareal fragte Weibrecht am Ende seiner Begrüßungsrede: "Warum sind wir da nicht eher drauf gekommen?"

Stand: 18.10.2017, 20:00