Beethovens X.: Künstliche Intelligenz errechnet neue Symphonie

KI errechnet neue Symphonie von Beethoven 02:35 Min. Verfügbar bis 08.10.2022

Beethovens X.: Künstliche Intelligenz errechnet neue Symphonie

Von Henning Hübert

Ein Computerprogramm hat über viele Monate hinweg die allermeisten Takte der neuen X. Symphonie ausgerechnet. Nur wenige Teile der neuen Symphonie sind original von Ludwig van Beethoven.

Das gewöhnungsbedürftige Ergebnis dieses KI-Experiments gibt es nun als Album: "Beethoven X – The AI Project".

Nur eine Idee der X. Symphonie

Beauftragt mit dem Experiment wurde ein KI-Team aus Computerexperten und Musikentwicklern unter der Leitung von Matthias Röder, dem Direktor des Salzburger Karajan Instituts. Beseelt wird alles durch das groß besetze Beethoven Orchester Bonn unter Generalmusikdirektor Dirk Kaftan. Oft klingt es gar nicht so recht nach Beethoven. Die Macher betonen denn auch, dass sie nur eine mögliche Idee, aber nicht die vollendete X. liefern.

Der berechnete Beethoven: Kreative künstliche Intelligenz?

WDR 3 Mosaik 08.10.2021 06:50 Min. Verfügbar bis 08.10.2022 WDR 3


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Bonner Musiker schicken KI-Noten zurück

Gefüttert wurde der Computer mit 10.000 Musikstücken und hatte rund zwei Jahre Rechenzeit. Ungefähr zwei Millionen Noten hat er ausgeworfen. Der Arrangeur Walter Werzowa musste der Künstlichen Intelligenz immer wieder beibringen, was davon nicht brauchbar klang. Einmal schickten die Bonner Musiker eine Fassung sogar zurück ans KI-Team in Salzburg, weil es zu wenig nach Beethoven klang.

Von Anfang an hoher Erwartungsdruck

Die Uraufführung ist Samstagabend im Bonner Telekom-Forum. Der Kommunikationskonzern hat das Projekt initiiert und finanziert. Letztlich, um Vorbehalte gegen ein stärkeres Zusammengehen von Mensch und Maschine abzubauen.

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Doch die X. reicht bei weitem nicht an die berühmte IX. Symphonie heran. Schon ihre bescheidenen Ausmaße lassen das nicht zu: Der Computer konnte nur zwei Sätze ausrechnen - basierend auf den wenigen überlieferten Skizzen und Hinweisen Beethovens. Mit einem Einstieg, der am ehesten Ohrwurm-Charakter hat: Los geht es mit dem leicht abgewandelten Pochen des Schicksals – das berühmte Motiv aus Beethovens V. Symphonie.

Schwächen der KI

Uraufführungsdirigent Dirk Kaftan bilanzierte im WDR die offenbar gewordenen Schwächen dieses Computerexperiments: All das, was uns Menschen wichtig ist an Musik – etwa, dass sie Spiegel der Seele, Ausdruck von Individualität, ist – an all das käme die KI Gott sei Dank noch nicht ran.

Stand: 08.10.2021, 16:37

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