Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach: Experten fordern schnelle Vernehmung der Opfer

Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach: Experten fordern schnelle Vernehmung der Opfer

  • Traumaexpertin fordert schnelle Vernehmung der Opfer
  • Staatsanwaltschaft weiß noch nicht, wann Vernehmungen stattfinden
  • Schnelle therapeutische Hilfe verbessert Chancen der Verarbeitung

Die Opfer des massenhaften Kindesmissbrauchs in NRW sollen nach Meinung von Traumaexperten möglichst schnell vernommen werden, damit ihnen anschließend therapeutisch geholfen werden kann. Die Kölner Traumatherapeutin und Leiterin der Beratungsstelle "Zartbitter", Ursula Enders, fordert, dass die Vernehmungen der Opfer innerhalb von vier Wochen abgeschlossen werden müssten.

Aussagen der Opfer sollen unverfälscht bleiben

Die schnelle Vernehmung sei wichtig, da sich sonst der Beginn einer Therapie verzögere. Die therapeutische Hilfe soll erst nach den Vernehmungen durch die Staaatsanwaltschaft beginnen, weil die Aussagen der Opfer unverfälscht bleiben sollen.

Staatsanwaltschaft hat bereits einige der Opfer vernommen

Wann die Opfer nun vernommen werden, kann die Staatsanwaltschaft Köln zur Zeit noch nicht sagen. Staatsanwalt Ulrich Bremer hält es aber für sinnvoll, die Vernehmungen zeitnah durchzuführen. Mit einigen der geschädigten Kinder seien bereits Gespräche geführt worden.

Auswertung der Daten unter Hochdruck

Bislang spricht die Polizei von zehn Missbrauchsopfern in NRW. Weitere Verdachtsfälle würden noch geprüft, hieß es am Dienstag (12.11.2019). Die Kinder sind unter einem Jahr bis elf Jahre alt.

Die Polizei wertet mit 250 Ermittlern rund zehn Terabyte Datenmaterial aus: Fotos und Videos von den Festplatten und Handys der Tatverdächtigen. Die Auswertung geschehe unter Hochdruck, „um schnellstmöglich noch andauernden Kindesmissbrauch zu unterbinden“, erklärte die federführende Kölner Polizei.

Erste Durchsuchung Ende Oktober

Ende Oktober hatte die Polizei eine Wohnung in Bergisch Gladbach durchsucht und auf dem Smartphone eines Familienvaters Bilder sichergestellt, die schweren sexuellen Missbrauch zeigen. Die Auswertung der Nachrichten auf dem Handy führte zu den weiteren Verdächtigen, von denen fünf aus NRW und einer aus dem Raum Wiesbaden stammt. Sie sollen die Kinder sexuell missbraucht haben und Fotos und Videos davon in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern verbreitet haben.

Stand: 12.11.2019, 22:05