Corona-Infektionsdaten korrigiert - Köln jetzt drei Tage über 200

Mikroskopische Ansicht eines Corona-Virus

Corona-Infektionsdaten korrigiert - Köln jetzt drei Tage über 200

Von Celina de Cuveland

Eine Netzwerkstörung beim Landeszentrum für Gesundheit sorgt in NRW auch am Mittwochmorgen für falsche Corona-Inzidenzzahlen. Ein Fehler, der große Auswirkungen haben kann.

Stellen die Schulen wieder auf Distanzunterricht um? Mit wem darf ich mich treffen? Fragen wie diese klären Politiker vor allem anhand eines Wertes: der Sieben-Tage-Inzidenz. Stimmt sie nicht, gerät ein Konstrukt ins Wanken, das ohnehin schon für viel Kritik sorgt. In NRW ist es seit Dienstagmorgen zum Teil zu falschen Inzidenzwerten gekommen. Grund ist es eine Netzwerkstörung, die laut Landeszentrum für Gesundheit NRW (LZG) am Donnerstagmorgen behoben ist.

Sinkende Inzidenz in Köln vermittelte falsche Sicherheit

Beispiel Köln: Dort war die Inzidenz am Dienstagmorgen (20.04.2021) laut Robert Koch-Institut (RKI) und dem Landeszentrum für Gesundheit NRW (LZG) im Vergleich zum Vortag leicht gesunken - auf rund 172 von zuvor 188. Doch der Schein trog. Wer genauer hinsah, erkannte schnell, dass keine neuen Coronafälle in Köln gemeldet wurden. Das sorgte automatisch für eine sinkende Inzidenz.

Am Mittwoch wurde der Wert für Montag zweimal korrigiert: auf jetzt 208,9. Die Zahl stieg in Vergleich zum Vortag also deutlich an. Auch der Wert für Sonntag wurde auf 197,1 nach oben korrigiert. Der vorläufige Wert für Mittwoch wurde mit 208,4 angegeben, für Dienstag mit 205,8 - damit liegt Köln an drei Tagen in Folge über 200 und müsste in den Schulen in Distanzunterricht wechseln, solange das Infektionsschutzgesetz noch nicht gilt. Der Krisenstab der Stadt will am Freitag über Folgen etwa in Schulen beraten.

Außer Köln seien viele weitere Städte und Kreise betroffen, sagte Melanie Pothmann, Pressesprecherin des LZG am Dienstag auf WDR-Anfrage. Darunter etwa Düsseldorf, Duisburg, Coesfeld, Hamm und Viersen. "Wir haben seit Montagabend eine massive Netzwerkstörung an einem Knotenpunkt der Telekom. Dadurch konnten uns viele Fälle nicht mehr gemeldet werden."

Wie aber kam es, dass etwa für Leverkusen und den Rhein-Erft-Kreis einige Neuinfektionen eingetragen waren? "Das muss erfolgt sein, bevor die Netzwerkstörung auftrat", erklärt Pothmann.

Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch in NRW: 170,5

Weil der Datenversatz so massiv ist, ging das LZG am Dienstag davon aus, dass die korrekten Inzidenzzahlen für NRW erst in der Nacht veröffentlicht werden können. Am Mittwochmorgen meldete das Robert Koch-Institut (RKI) für NRW allerdings nur eine Sieben-Tage-Inzidenz von 170,5. Auch am Mittwoch wies das LZG auf seiner Website hin, die "erheblichen Störungen im Landesverwaltungsnetz" halten weiter an. Die Werte "sind daher leider unvollständig".

Probleme wie dieses gab es in den vergangenen Monaten im LZG und RKI häufiger. Zuletzt waren im Rheinisch-Bergischen Kreis wegen eines Server-Fehlers am Wochenende keine Daten an das LZG übermittelt worden. Das führte vorübergehend zu einer fälschlicherweise zu niedrigen Inzidenz.

Meldeketten sind anfällig für Fehler

Die Meldeketten für LZG und RKI sehen wie folgt aus: Bei einem positiven Test meldet das zuständige Labor oder der zuständige Arzt diesen neuen Coronafall dem zuständigen Gesundheitsamt der Stadt oder des Kreises. Das erfolgt oft automatisch digital, oft auch noch per Fax. Die Ämter erfassen die Zahlen elektronisch und überprüfen die Angaben. Dann übermitteln sie ihre Zahlen an die zuständige Landesgesundheitsbehörde, die die Daten an das Robert Koch-Institut weitergibt.

Auf diesen Wegen gehen hin und wieder Daten verloren oder sie bleiben "stecken", beispielsweise wegen einer Netzwerkstörung wie im oben beschriebenen Kölner Fall.

Um unter anderem die Fehlerquote zu minimieren, sollen die Gesundheitsämter eigentlich flächendeckend eine neue Software zur Nachverfolgung von Corona-Fällen nutzen. Doch deren Einführung stockt nach wie vor.

Problematisch sei aber auch der Inzidenzwert an sich, meint Epidemiologe Gérard Krause. Die Zahl könne Risiken sowohl über- als auch unterschätzen, sagte der Forscher vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in einer Video-Schalte des Science Media Center (SMC). Gebraucht würden mehrere Indikatoren, um die Corona-Lage sachgerecht abzubilden und gezielte Maßnahmen zu treffen.

Falsche Werte können Folgen haben

Falsche Zahlen wie im Kölner Fall können allerdings Probleme verursachen, weil sie ausschlaggebend für politische Entscheidungen sind. Kritiker fordern, weitere Werte, etwa die Auslastung der Intensivstationen, für politische Entscheidungen hinzuzuziehen.

Stand: 22.04.2021, 10:48