Fassaden von Wohnhäusern

Nachhaltig Wohnen durch Housesitting?

Stand: 28.10.2021, 19:27 Uhr

Eine Wohnung in Köln zu finden, ist auch angesichts steigender Mieten immer schwieriger geworden. Eine junge Frau möchte die Wohnungsnot angehen - mit einem spannenden Experiment.

Von Pamina Rosenthal

Die Mieten in Köln steigen seit Jahren an, eine passende Wohnung zu finden, wird immer schwieriger. Für Studierende sind in ganz Köln aktuell sogar Notschlafstellen eingerichtet. Gleichzeitig stehen Wohnungen und Häuser zeitweise leer, weil ihre Bewohner im Urlaub oder auf Geschäftsreise sind. Eine junge Kölnerin möchte genau das nutzen und gibt ihre Wohnung für ein Experiment probeweise auf.

"Das klassische Mietverhältnis ist oft eine Art Machtgefälle"

Noch schnell die Nachbarn fragen, ob sie die Blumen gießen, die Katze füttern und die Post holen können - hoffentlich sind die nicht auch im Urlaub. Wer einen Housesitter engagiert, muss sich darum keine Sorgen machen.

Junge blonde Frau mit schwarzem Oberteil lächelt in die Kamera

Nur mit einem Koffer bepackt startet Alexandra Schmidt als Housesitterin.

Alexandra Schmitz aus Köln-Deutz testet Housesitting. Zeitweise leerstehenden Wohnraum möchte sie so effizienter nutzen. "Auch Wohnraum ist eine Ressource und durch Housesitting wird der durchgehend genutzt. Das schafft mehr Nachhaltigkeit auch beim Wohnen" so Schmidt. Ein großer Kostenfaktor für die 27-jährige war immer die Miete.

Beruflich und privat beschäftigt sie sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und beschließt, sich dem klassischen Mietverhältnis nicht weiter auszusetzen. Für zunächst vier Monate vermietet sie ihre 35 Quadratmeter Wohnung unter und kümmert sich als Housesitterin um Tiere, Pflanzen und Post von fremden Menschen, die übergangsweise nicht zuhause sind. "Davon profitieren beide Seiten." Miete zahlt sie als Housesitterin nicht.

Housesitting in Köln und Umgebung noch nicht verbreitet

Das Experiment startete mit einem Facebook-Post, nachdem Schmidt in Köln und Umgebung bei den wenigen Agenturen keine passenden Angebote gefunden hatte. Sehr schnell sind die vier Monate ausgebucht.

Über ihre Website "Ankerblatt" hat sie ihr Experiment inzwischen bis Juli 2022 erweitert. "Viele Menschen wünschen sich einfach, dass jemand da ist und auf ihr Zuhause aufpasst. Gleichzeitig suchen so viele Menschen ein Dach über dem Kopf."

Housesitting – die besondere Nähe des Fremden

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 12.07.2021 18:46 Min. Verfügbar bis 09.07.2022 WDR 5 Von Nicole Albers


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Mehr Verständnis für alternative Wohnformen

"Viele Menschen kommen gar nicht auf die Idee, dass auch andere Wohnformen möglich sind und funktionieren können" sagt Schmidt. Auch für die Wohnungseigentümer stelle diese Wohnform ganz neue Möglichkeiten dar. Im kommenden Jahr ist die 27-jährige sogar für vier Monate als Housesitterin im Ausland.

Mit ihrem Experiment möchte sie eine Möglichkeit aufzeigen, wie anders und nachhaltig gewohnt werden und sogar noch der angespannten Wohnungslage in Köln aus dem Weg gegangen kann.

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