Leben nach der Flut: Stillstand in Blessem

Stand: 31.12.2021, 06:00 Uhr

Nach dem Hochwasser im Juli sah für Sabine Acker und Dirk Efferen aus Ertstadt-Blessem alles nach einem schnellen Fortschritt aus. Alle halfen, bewegten viel. Doch die Rückkehr ins alte Haus ist zäher als gedacht.

Von Christine Roskopf

Noch immer brummt der Bautrockner im Haus von Sabine Acker und Dirk Efferen. Sie hatten gehofft, dass es mit den Arbeiten schneller vorangeht – doch es herrscht Stillstand. Seit einem halben Jahr wohnt die Familie in einer Übergangsbleibe, einige Kilometer von Eftstadt-Blessem entfernt. Denn was einmal ihr Zuhause war, ist nun ein Rohbau. Die Wände wurden desinfiziert, und der Verputzer könnte kommen. Aber ohne den Elektriker geht es nicht weiter. "Der versucht es schon seit November, aber die sind zu mit Arbeit ohne Ende", sagt Dirk Efferen (53).

Im Keller ist es am schlimmsten

Leichter war es, als sie noch selbst mit anpacken konnten und mussten – wie so viele in ihrer Nachbarschaft. Im Juli 2021 begannen die Aufräumarbeiten. Weil die Familie keinen Dachboden hatte, hatte der Keller als Lager gedient. Der lief voll; sie konnten kaum etwas retten.

Sabine mit Schwester Steffi im zerstörten Haus

Bei den Aufräumarbeiten half Sabines Schwester Steffi (l.)

Sabine Acker erinnert sich noch immer an den Gestank – monatelang hat sie ihn gerochen. Wenn sie heute den Keller betritt, kommen die Gefühle wieder hoch, und die 52-Jährige kann sich nur schwer vorstellen, dass sie hier einmal wieder leben wird.

Hier unten hab' ich noch ein ganz komisches Gefühl. Weil man weiß, dass das Wasser bis unter die Decke stand. Sabine Acker

In ihrer Übergangsbleibe haben sie sich provisorisch eingerichtet. Anfangs hatten sie geglaubt, hier zur Ruhe zu kommen. Doch sie empfinden es inzwischen als Zwang. Jeden Tag fragt die 14-jährige Tochter, wann sie wieder zurück nach Blessem können. Doch das ist ungewiss. Es kann noch Monate dauern.

Die Kiesgrube soll weg

Zum ersten Mal spazierte das Ehepaar in dieser Woche durch die Straßen in der Nähe der Kiesgrube. Dort, wo sich durch die Wassermassen ein riesiges Loch aufgetan hat, wo Häuser eingestürzt sind und Menschen ihr Zuhause verloren haben. Eine unwirkliche Kulisse, die Sabine Acker demütig macht. "Da geht's uns im Vergleich ja wieder gut."

Einbrecher stehlen Werkzeuge und Fahrräder

Die Nachbarschaft hat sich verändert. Viele Menschen sind noch nicht zurückgekehrt. Und das nutzen auch Einbrecher immer wieder aus. Schon zwei Mal wurden Werkzeuge und Fahrräder aus leerstehenden Häuser gestohlen.

"Die Leute, die hier noch wohnen, haben natürlich auch Angst." Sabine Acker
Familienvater Dirk Efferen räumt das Haus aus

Tagelang hat Dirk Efferen den Keller ausgeräumt

Ein anstrengendes Jahr liegt hinter Sabine Acker und Dirk Efferen. Sie wünschen sich, dass es im neuen Jahr endlich wieder weitergeht. Wenn alles geschafft ist, wollen sie mit ihren Nachbarn ein Fest feiern, um gemeinsam mit dem Erlebten abzuschließen. Bis es so weit ist, werden sie noch viel Kraft brauchen. Mit 2021 sind die beiden jedenfalls fertig.

Die Flutkatastrophe 2021: Als das Wasser kam

Heimatflimmern 17.12.2021 44:00 Min. UT AD Verfügbar bis 17.12.2022 WDR Von Lothar Schröder